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Biografie im Erinnerungsportal, kein Stolperstein vorhanden

Hermann Goldschrafe, *1903

IM WIDERSTAND / KPD / MEHRMALS „SCHUTZHAFT“ / 1938 Verurteilung wg. „HOCHVERRAT“ / ZUCHTHAUS OSLEBSHAUSEN / 1943 STRAFDIVISION 999
TOT 19.11.1944


Saalfelder Straße
Bremen-Findorff

Hermann Goldschrafe


Hermann Wilhelm Goldschrafe wurde am 15. 9.1903 in Bremen geboren und wuchs zunächst am Buntentorsteinweg auf. Seine Eltern waren der Maurergeselle Hermann (Wilhelm Heinrich) Goldschrafe (geb. 1876) und Marie, geb. Coors (geb. 1883). Beide stammten aus dem Kreis Sulingen und zogen Anfang des Jahrhunderts nach Bremen. Sie hatten noch eine Tochter Olga, die 1912 geboren wurde. Als Hermann 14 Jahr alt war, fiel der Vater bei Verdun. Die Witwe Goldschrafe zog mit ihren Kindern zunächst in die Kleine Krummenstraße und ab 1927 in ein eigenes Haus in der Saalfelder Straße 35. Sie starb
1967.

Von Beruf war Hermann Goldschrafe Maler. Am 17.7.1929 heiratete er in erster Ehe Berta Martha Borchers (geb. 1908). Noch im selben Jahr wurde ihre Tochter Kaja geboren. Die Familie wohnte im Glockengang 3. Die Ehe wurde 1934 geschieden. Hermann Goldschrafe zog zu seiner Mutter und seiner Schwester in die Saalfelder Straße 35.

Am 25.2. 1943 heiratete er in zweiter Ehe Hedwig Fürstenberg (geb. 1908), die 1935 von Bad Nenndorf nach Bremen gekommen war. Sie hatten einen Sohn Hartmut, der 1943 in Villingen geboren wurde.

Hermann Goldschrafe war früh politisch aktiv. Als 16-Jähriger trat er in die Kommunistische Jugend ein. Während der NS-Zeit wurde er wegen illegaler Tätigkeiten mehrfach inhaftiert; das erste Mal von März 1933 bis 1934 im Bremer Konzentrationslager Mißler und nach dessen Auflösung im Fort Langlütjen in der Wesermündung. Am 15.4.1935 wurde er aus politischen Gründen bei einer Flugzeugbaufirma in Rostock entlassen, am 19.10.1936 erneut verhaftet und 1938 wegen Hochverrats zu drei Jahren und neun Monaten Zuchthaus sowie 4 Jahren Ehrverlust verurteilt. Er verbüßte die Strafe im Zuchthaus Oslebshausen.

Schließlich wurde Hermann Goldschrafe von Juli 1943 bis September 1944 zur Strafdivision 999 in Heuberg auf der Schwäbischen Alb eingezogen, einer „Bewährungseinheit" für bestrafte und politisch unliebsame Personen. Nach einer menschenunwürdigen Ausbildung erfolgte anschließend der Einsatz an der Ostfront. Am 19.11.1944 ist Hermann Goldschrafe in Russland gefallen.

Auf Wunsch von Familienangehörigen wurde zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf die Verlegung eines Stolpertsteines vor dem letzten Wohnort verzichtet.

Verfasser:
Franz Dwertmann (2019)

Informationsquellen:
StA Bremen 4,54-E1078, Einwohnermeldekartei