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August Wollgast, *1903

SEIT 1936 MEHRMALS EINGEWIESEN BREMER NERVENKLINIK / „VERLEGT“ 9.12.1943 HEILANSTALT MESERITZ
ERMORDET 29.1.1944


Buddestraße 14
Bremen-Findorff

Verlegedatum: 18.11.2019

August Wollgast

August Wollgast wurde 1903 in Hamburg geboren. Er heiratete 1927 Metta Wertmann (geb. 1904). Das Ehepaar hatte eine Tochter. Die Ehe wurde 1931 geschieden. Danach lebte er bei seiner Mutter. August Wollgast hatte nach der Schule eine Drogistenlehre gemacht und in den Folgejahren in diesem und anderen Berufen gearbeitet, u.a. als Bote, Posthelfer, Wachmann und im Wursthandel.

Zwischen 1936 und 1941 war er viermal, jeweils für einige Wochen, als Patient in der Bremer Nervenklinik gewesen, weil er sich von Stimmen massiv beeinträchtigt fühlte, er öfters verwirrt war und nicht regelmäßig zur Arbeit ging. 1937 wurde bei ihm eine Sterilisation angeordnet und durchgeführt.

Am 2.3.1943 starb seine Mutter Bertha Wollgast, geb. Dinsen, und er wurde im Juni 1943 erneut in die Klinik aufgenommen. Die Krankenakte vermerkt, er fühle sich einsam, habe Angst und habe bei allen Arbeitsstellen in den letzten beiden Jahren "versagt". Er höre des öfteren Stimmen, besonders die seiner früheren Frau und der gemeinsamen Tochter. Im Juli 1943 wurde eine Elektroschockbehandlung begonnen, die nach der elften Anwendung beendet wurde, da es dem Patienten nicht besser "sondern schlechter gehe". Sein Gemütszustand äußerte sich in Angst, Weinen und Zittern am ganzen Körper.

Nach der Bombardierung der Bremer Nervenklinik Ende November 1943 wurde er am 9.12.1943 in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde "verlegt". Er verstarb dort am 29.1.1944 angeblich an "Grippe und Pneunomie". August Wollgast wurde 40 Jahre alt.


Peter Christoffersen (2019)