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Otto Zade, *1888

VERHAFTET 1942 / GEFANGENENHAUS OSTERTORWACHE
FLUCHT IN DEN TOD 11.5.1942


Fürther Straße 71
Bremen-Findorff

Verlegedatum: 18.11.2019

Otto Zade

Otto Zade war 1888 in Bremen geboren worden. Im Dezember 1919 heiratete er Frieda Kreikemeyer. Das Ehepaar hatte zwei Töchter Hedwig (geb. 1920) und Gerda (geb. 1922). Seit 1925 lebte die Familie in der Fürther Straße 71.

Otto Zade trat bereits vor 1914 in die SPD ein. Seine berufliche Laufbahn begann er 1916 als Bürogehilfe beim Grundstücks-Verwaltungsamt. Er wurde als Sachbearbeiter für die Staatliche Feuerversicherung ein-gesetzt und 1920 zum Verwaltungssekretär ernannt. 1924 wurde er zum Verwaltungsobersekretär beför-dert. Am 1.8.1933 wurde er gemäß Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aufgrund seiner SPD-Mitgliedschaft entlassen. Danach war er zeitweise arbeitslos und bezog keine Unterstützung. Ab Mai 1935 war er als Buchhalter bei Schlachtermeister Christian Schröder in der Westerstraße 74 beschäftigt bis er am 3.5.1942 von der Gestapo verhaftet wurde; der Familie wurde kein dafür Grund mitgeteilt.

Erst knapp ein Jahr später wurde der Grund seiner Verhaftung klar: In einem Prozess wegen "Vorbereitung des Hochverrats usw." gegen den Weinhändler und Weinimporteur Heinrich Hollmann, seine Ehefrau und seine Tochter. Der vordergründige Anklagegrund lautete: "Die Angeklagten haben nach der Anklage ab-sichtlich ausländische Sender abgehört." In einem weiteren Teil der Anklage wurde ihnen Verstoß gegen die Kriegswirtschaftsbestimmungen zur Last gelegt. Nach der Urteilsbegründung soll Hollmann im Mai 1941 Otto Zade auf der Straße angesprochen haben, ob er ihm "nicht einen Braten besorgen könnte", er würde sich durch die Abgabe von Spirituosen erkenntlich zeigen. Daraufhin habe Zade ihm "regelmäßig sonn-abends einen Braten von 5 bis 6 Pfund, fast immer Fleisch ohne Knochen" ins Haus gebracht. Die Bezahlung sei in bar erfolgt oder in Verrechnung mit Spirituosen. Es konnte Zade allerdings nicht nachgewiesen wer-den, dass er seinem Arbeitgeber dafür Fleischmarken entwendet hatte. Nach seiner Verhaftung soll Zade bei seiner Vernehmung „ohne sich selbst zu schonen, alle Angaben gemacht haben, die zur Aufklärung er-forderlich waren". Hollmann, der noch weitere Lieferanten für rationierte Lebensmittel hatte, wurde zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt.

Otto Zade erlebte den Prozess nicht mehr, er nahm sich am 11.5.1942 in einer Zelle des Gefangenenhauses Ostertorwache das Leben. Seine Ehefrau gab als Erklärung für seinen Freitod nach dem Krieg an: „Mein Mann war durch die Entlassung aus dem Amt mit seinen Nerven vollständig fertig und sehe ich dieses als Grund an, dass er es vorzog, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Seine Äußerungen, dass er es nicht lange aushalten würde, haben sich leider bestätigt.“


Peter Christoffersen (2019)