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Meta Louise Föhse, geb. Streithorst, *1899

SEIT 1929 MEHRMALS EINGEWIESEN NERVENKLINIK
́VERLEGT` 26.11.1943 HEILANSTALT WEHNEN, ERMORDET 26.3.1945


Vor dem Steintor 145
Bremen-Östliche Vorstadt

Verlegedatum: 14.04.2026

Meta Louise Föhse

Meta Louise Föhse

Johann Heinrich Streithorst und seiner Ehefrau Anna Margarethe Keusemann wurde am 8.11.1899 mit Meta Louise das erste Kind geboren. Der Haushalt des Hafenarbeiters befand sich in Gröpelingen. Mehrere Kindsgeburten folgten, von denen nicht alle das Erwachsenenalter erreichten. Später heißt es, dass Meta Louises Vater gelähmt gewesen sei und als Trinker bezeichnet wurde. Bei seinem Tod 1936 wird sein Beruf dennoch als „Verwaltungsoberinspektor der Krankenanstalt“ genannt. Einer der Brüder soll schon früh an einer geistigen Behinderung erkrankt gewesen sein.

Während der Pubertät zeigte Meta Louise erstmals 1915 Verhaltensauffälligkeiten. Kurz vor ihrer Heirat war sie war als Dienstmädchen beschäftigt und lebte in Hemelingen. Mit knapp 20 Jahren lernte sie den wenig älteren, aus Thüringen stammenden Gustav Otto Curt Föhse (geb. 1895) kennen. Dass der Motorschlosser zu diesem Zeitpunkt noch verheiratet war, verschwieg er. Meta Louise wurde schwanger und am 17.1.1920 von einer Tochter entbunden, der sie den Namen Hildegard Maria Marga gab. Der Vater des Kindes ließ sich scheiden und heiratete Meta Louise am 16.4.1921. Drei Wochen vor der Hochzeit unternahm Meta Louise einen Selbstmordversuch, den sie aus eigenem Antrieb abbrach.

Die Ehe wurde nicht glücklich. Gustav Föhses Lebenswandel war unsolide, geprägt von Leichtsinn und wenig strebsam. Seiner Frau gegenüber verhielt er sich rücksichtlos. Meta Louise erlitt mehrere Fehl- und Frühgeburten. Das Ehepaar hatte seit 1922 eine Wohnung Vor dem Steintor 145 gemietet.

Am 28.3.1929 wurde Meta Louise das erste Mal im St. Jürgen-Asyl aufgenommen, mit der Diagnose „Melancholie“. Auf Jahre wechselten stationäre Aufenthalte und ein Leben an der Seite des Ehemannes sich ab. Ab 1929 lautete die Diagnose Schizophrenie, 1939 hieß es, Meta Louise sei unheilbar.

Seit Sommer 1932 lebte das Ehepaar getrennt, die Scheidung wurde 1933 ausgesprochen. Meta Louise zog zu ihrer Mutter, die sich bemühte, der Tochter soweit als möglich zu unterstützen.

Im April 1936 wurde Meta Louise Föhse stationär aufgenommen, diesmal endgültig. Auf Antrag des Amtsgerichts folgte am 24.6.1937 die Entmündigung mit der Begründung, dass ihre Kritik- und Urteilslosigkeit, ihre seelische Starre sie hindere selber über das Leben zu bestimmen. Ihr wurde ein Vormund zur Seite gestellt.

Am 26.11.1943 wurde Meta Louise Föhse in die Heil- und Pflegeanstalt Wehnen, Nahe Bad Zwischenahn, verlegt. Hier starb sie knapp zwei Jahre später am 26.3.1945. Wehnen gilt heute als eine Einrichtung, in der Patienten vor allem durch Medikamentenüberdosierungen und Nahrungsentzug getötet wurden. Ihre Krankenakte enthält keine Angaben zur Todesursache.

Kornelia Renemann (2026)

Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekartei, Personenstandsregister 1875-1935
StA Oldenburg Rep 635 Akz. 351997 Nr. 7972

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Euthanasie" / Zwangssterilisation
Glossarbeitrag "Heilanstalten"