Heinrich Dittmann, *1894
EINGEWIESEN 1920 NERVENKLINIK
́VERLEGT` 31.1.1939 HEILANSTALT WEHNEN, ERMORDET 10.12.1941
Bremerhavener Straße 53
Bremen-Walle
Verlegedatum: 15.04.2026
Heinrich Dittmann

Im September 1893 heiratete der Schutzmann Hermann Wilhelm August Dittmann (geb. 1862 Gransee/Kreis Ruppin) die noch nicht volljährige Bremerin Katharina Margarethe Stahl (geb. 1873), Tochter eines Bauunternehmers. Beide wohnten in der Ellmersstraße, er in Nr. 110, sie im Haus ihres Vaters in Nr. 1. Als sechs Monate später der gemeinsame Sohn Heinrich Dittmann am 5.3.1894 geboren wurde, lebte das Ehepaar in der Landwehrstraße 72. Zwei Jahre später kam ein zweiter Junge zur Welt.
Heinrich Dittmann war introvertiert, lernte in der Schule schlecht bis mittelmäßig. Nach seinem Schulabschluss arbeitete er auf der AG Weser und fuhr anschließend als Maschinist auf den Dampfern der Hansa-Linie. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs war sein Schiff unterwegs und wurde von den Engländern gekapert. Heinrich Dittmann kam als Zivilgefangener nach England.
In dem englischen Camp herrschte unter den Gefangenen ein rauer Ton, oftmals kam es zu Handgreiflichkeiten von Mitgefangenen und der Wachmannschaft. Zudem erhielten die Gefangenen nur kleine Essensportionen, so dass allgemein gehungert wurde. Kaum in England angekommen versuchte Heinrich Dittmann zu fliehen und scheiterte. Der misslungene Fluchtversuch zog Misshandlungen nach sich. Er wurde verhaltensauffällig und in eine psychiatrische Klinik überstellt. Dort blieb er bis 1919.
Im selben Jahr wurde er von England rückgeführt und in die Provinzial-Heilanstalt Münster eingeliefert. Weil Heinrich Dittmann nicht ansprechbar war, blieb unklar wo er vor dem Krieg lebte und ob es noch Angehörige gab. So bekamen seine Eltern verspätet Nachricht über ihn und holten ihn am 10.3.1920 nach Hause in die Bremerhavener Straße 51. Aufgrund seines, teilweise aggressiven, Verhaltens sahen sie sich gezwungen ihn wenige Tage später, am 31.3.1920 ins St. Jürgen Asyl zu bringen. Seine anfängliche Unruhe legte sich bald. Er kam in einer Familienpflege unter und konnte in der Landwirtschaft helfen. Trotzdem wurde eine Entlassung nicht in Erwägung gezogen. Ab 1930 lautete die Diagnose Schizophrenie.
Der Bremer Anstaltsleiter Dr. Gildemeister erstellte einen Antrag auf Unfruchtbarmachung, wegen Verdachts einer Erbkrankheit und zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, dem vom Erbgesundheitsamt am 30.4.1935 zugestimmt und einen Monat später durchgeführt wurde. Die Genehmigung des Gerichts erfolgte, ohne den 42-jährigen Patienten zuvor gesehen zu haben. Spätestens seit 1935 vertrat ein Vormund die Interessen von Heinrich Dittmann.
Am 31.1.1939 wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt Wehnen, Nahe Bad Zwischenahn, verlegt. Hier starb er zwei Jahre später am 10.12.1941. Wehnen gilt heute als eine Einrichtung, in der Patienten vor allem durch Medikamentenüberdosierungen und Nahrungsentzug getötet wurden. Seine Todesursache war angeblich „Herz- und Kreislaufschwäche“.
Kornelia Renemann (2026)
Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekartei
StA Oldenburg Rep 635 Akz. 35/1997 Nr. 6603
Personenstandsregister zu Heiraten und Geburten 1875-1935 auf www.maus.de (Stand 2025)
Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Euthanasie" / Zwangssterilisation
Glossarbeitrag "Heilanstalten"

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