Georg Brötzmann, *1906
EINGEWIESEN 1936 NERVENKLINIK
́VERLEGT` 9.12.1943 HEILANSTALT MESERITZ-OBRAWALDE, ERMORDET 14.4.1944
Bihwerder 10
Bremen-Gröpelingen
Verlegedatum: 15.04.2026
Georg Brötzmann

Georg Bernhard Willi Brötzmann wurde am 24.2.1906 in Stettin geboren. Sein Vater war Albert Brötzmann, seine Mutter Marta, geb. Kruse, wurde am 8.11.1883 in Demmin geboren. Sie war in Stettin und Stralsund in langjähriger psychiatrischer Behandlung. Ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Drei Kinder starben früh. Als Georg drei Jahre alt war, starb sein Vater. Zur Familie gehörte auch die um ein Jahr ältere Schwester Agnes (geb. 1905), die in Stettin lebte.
Georg Brötzmann war evangelischer Konfession und ein sehr guter Schüler. Er besuchte eine höhere Schule und sprach Englisch und Französisch. Während der Zeit des Ersten Weltkriegs litt die vaterlose Familie große Not. Er erlernte den Beruf des Kaufmanns und arbeite bei verschiedenen Firmen als Handlungsgehilfe beziehungsweise als „Korrespondent“. Bei der Hanfspinnerei in Batenhorst bei Wiedenbrück“ (Sitz der Mechanischen Hanfspinnerei u. Schnurenfabrik P. Baumhüter) arbeitete er als „Auslandskorrespondent“.
Seine Frau Henny Annette Zylmann wurde am 12.5.1907 in Bremen geboren und wohnte bei ihren Eltern Hinrich und Annette, geb. Groeneveld in Gröpelingen in der Wummensieder Straße 89. Sie heirateten am 12.5.1931 in Bremen. Bereits am Tag nach der Hochzeit zog Henny zu ihrem Mann in die Lange Straße 47 nach Wiedenbrück. 1934 kam ihr Sohn zur Welt.
Zu der Zeit traten bei Georg Brötzmann erste psychische Krankheitssymptome auf. Am 22.11.1934 wurde er im Alter von 28 Jahren in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Gütersloh eingewiesen. Die Diagnose der Ärzte lautete auf „Schizophrenie“. Daraufhin verfügte das Erbgesundheitsgericht in Bielefeld am 3.4.1935 seine Zwangssterilisierung. Brötzmann legte dagegen Widerspruch ein, der aber abgelehnt wurde. Anfang Oktober erfolgte die Zwangssterilisation im Lazarett der Anstalt. Am 26. Oktober wurde er aus der Anstalt in Gütersloh auf Wunsch seiner Frau mit dem Hinweis „versuchsweise gebessert“ entlassen.
Am 1.8.1936 zog das Ehepaar Brötzmann nach Bremen in die Straße Bihwerder 10. Georg rechnete sich in Bremen bessere Anstellungsmöglichkeiten aus und fand auch bald Arbeit bei der Weser-Flugzeugbau GmbH, die dort seit 1934 mehrere Standorte hatte und der viertgrößte Flugzeughersteller des Deutschen Reiches war. Am 22. September begann er auf Probe im Einkauf zu arbeiten. Doch schon im November erhielt er seine Kündigung. Brötzmann war mehrere Tage nicht zur Arbeit erschienen und hatte Kollegen und Vorgesetzten auch von seinem Aufenthalt in der Anstalt in Gütersloh erzählt.
Am 30. November wurde er amtsärztlich untersucht und mit der Diagnose „Schizophrenie“ „auf Grund des §11, Absatz 1 der Bremischen Gesundheitsordnung vom 13. September 1936“ am 4.12.1936 in die Bremer Nervenklinik in Osterholz eingewiesen. Begründung: Er sei für sich selbst und andere eine Gefahr.
Georg Brötzmann sollte die Nervenklinik bis zu seiner „Verlegung“ sieben Jahre später im Dezember 1943 nicht mehr verlassen. Bis zuletzt hatte seine Frau immer wieder versucht, ihren Mann zu Hause behalten zu können. Noch einen Monat vor seiner Einweisung bat sie darum, „keine harten Schritte zu unternehmen, da es für mich ja auch schrecklich ist“.
Im Frühjahr 1937 wurde Georg Brötzmann durch das Amtsgericht Bremen entmündigt; Vormund war nun seine Frau. Im November 1938 – seine Frau hatte die Scheidung beantragt – übernahm ein Bremer Rechtsanwalt die Vormundschaft.
Ende 1937 verschlechterte sich sein seelischer Zustand immer weiter. Georg Brötzmann leugnete seinen eigenen Namen und verließ sein Bett überhaupt nicht mehr. Im Februar 1939 bezeichnete der Direktor der Bremischen Heil- und Pflegeanstalt seinen Zustand als „irreversibel“.
Nach der Bombardierung der Bremer Nervenklinik Ende November 1943 wurde Georg Brötzmann am 10.12.1943 in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde „verlegt“. Dort wurde er am 14.4.1944 ermordet. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht bekannt.
Hans-Ulrich Brandt (2026)
Informationsquellen:
StA Bremen, Einwohnermeldekartei
Stadtarchiv Rheda-Wiedenbrück, Bürgerrolle der Stadt Wiedenbrück
Archiv Klinikum Bremen-Ost, Krankenakte Nr. 8885
Relikte in Niedersachsen und Bremen: www.relikte.com/brm_weserflug/
Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Euthanasie" / Zwangssterilisation
Glossarbeitrag "Heilanstalten"

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