Sie befinden sich hier | Kapitelüberschrift  Stolpersteine Biografie
Schriftgroesse verkleinern Schriftgroesse normal Schriftgroesse vergrössern
Diese Seite ausdrucken

Oskar Köster, *1902


EINGEWIESEN 1938 BREMER NERVENKLINIK, ERMORDET 7.3.1940


St.-Magnus-Straße 89
Bremen-Walle

Verlegedatum: 15.04.2026

Oskar Köster

Oskar Köster

Oskar Köster wurde am 26.4.1902 in Bremen als Sohn des Oberheizers Johann Köster und Catherine (geb. Prüser) in eine kinderreiche Familie geboren. Er wohnte zeitlebens in seinem Elternhaus in der Sankt Magnus Straße, indem auch die Geschwister lebten. Daran änderte sich nichts, als er 1931 Annie Ahrens (geb.1904 in New York) heiratete. 1933 wurde die Ehe geschieden und Annie Köster nahm 1934 wieder ihren Familiennamen Ahrens an.

Oskar Köster arbeitete ohne abgeschlossene Lehre zunächst in verschiedenen Berufen und ab 1922 als Lagerist bei der Bremer Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Neptun“ im Proviantamt. Die körperlich sehr schwere Arbeit wurde, wie er selbst berichtete, von mehreren Gläsern Portwein am Tag begleitet. Um 1928 traten bei ihm zunehmend epileptische Anfälle auf. Nach fast zehnjähriger Tätigkeit wurde er im März 1932 deswegen entlassen.

Anfang März 1932 führte ein epileptischer Anfall zu einem Sturz. Infolgedessen ließ er sich von seiner Hausärztin in die Bremer Nervenklinik einweisen. Er wurde von dort einige Tage später entlassen, da er einen weitgehend gesunden Eindruck machte. Es wurde ihm dringend geraten, keinen Alkohol mehr zu trinken und die strikte regelmäßige Einnahme von Luminal verordnet. Seit 1912 war Luminal das führende Medikament bei der Behandlung von Epilepsie.

Oskar Köster zeigte wenig Einsicht in seinen Alkoholmissbrauch. Über das Fürsorgeamt Bremen hatte es einen Versuch gegeben ihn wegen seiner Alkoholsucht beim Guttempler Orden in einer Selbsthilfegruppe anzumelden.

Im Juni 1938 wurde er ein zweites Mal, dieses Mal unfreiwillig, in Begleitung eines Polizeibeamten, in die Bremer Nervenklinik eingeliefert. Er habe hoch erregt seine Familie bedroht. Es stellte sich heraus, dass sich seine Lebenssituation in den letzten Jahren sehr verschlechtert hatte. Er habe weiter getrunken, eine regelmäßige berufliche Tätigkeit war nicht mehr möglich gewesen. Dadurch war er in wirtschaftliche Not geraten. Auch die epileptischen Anfälle seien gehäuft aufgetreten.

In der Klinik verschlechterte sich der Zustand von Oskar Köster zunehmend. Gegen Ende 1939 hatte er 10 kg seines Körpergewichts verloren. 1940 beschrieb ihn der zuständige Arzt als einen „typischen Epileptiker“, bei dem „nach Absetzung des Luminals [...] gehäufte Anfälle, bis 12 täglich, aufgetreten seien“, er käme aus dem Dämmerzustand nicht mehr heraus. Oskar Köster wurde hochgradig pflegebedürftig und auf eine entsprechende Station in das Haus 14 verlegt.

Oskar Köster starb am 7.3.1940 im Alter von 38 Jahren. Als Todesursache wurde „Status epileptikus“ angegeben.

Mit ihm starben in der Bremer Nervenklinik mindestens 14 weitere an Epilepsie erkrankte Frauen und Männer, denen im Februar 1940 vorsätzlich das Medikament Luminal entzogen wurde, eines gewaltsamen Todes.

Petra Nothaft (2026)

Informationsquellen:
StA Bremen, Personenstandsregister (Heirats- und Sterbeurkunde), Einwohnermeldekartei
Archiv Klinikum Bremen-Ost, Krankenakte
Engelbracht, Gerda: „Nach Absetzung des Luminals gehäufte Anfälle“ Oskar Köster, in: Erinnerungsbuch für die Opfer der NS-Medizinverbrechen in Bremen, Bremen 2016
Diess.: Der tödliche Schatten der Psychiatrie : Die Bremer Nervenklinik 1933-1945, Bremen 1997

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Euthanasie" / Zwangssterilisation
Glossarbeitrag "Heilanstalten"