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Louise Mornhinweg, *1881

EINGEWIESEN 1944 NERVENKLINIK
́VERLEGT` 11.3.1944 HEILANSTALT LÜNEBURG, ERMORDET 19.11.1944


Halmerweg 130
Bremen-Gröpelingen

Verlegedatum: 15.04.2026

Louise Mornhinweg

Louise Mornhinweg

Louise Mornhinweg wurde in Bremen am 14.4.1881 geboren. Ihre Eltern, der Arbeiter Johann Heinrich Koch und seine Frau Louise (geb. Häger) hatten 1876 in Bremen geheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Die Familie bewohnte um 1900 ein Haus im Stephaniviertel.

Louise verdiente ihren Unterhalt als Dienstmädchen und wohnte noch bei den Eltern, als sie 1899 dem Mädchen Louise das Leben schenkte und zwei Jahre später im Februar 1901 Robertine. Beide Geburten waren unehelich. Am 10.8.1901 heiratete Louise den vier Jahre älteren Julius Robert Mornhinweg, einen Maurer aus Sachsen, der anschließend die beiden Mädchen als seine Töchter anerkannte. In den folgenden Jahren wurden noch vier Kinder geboren. Der einzige Sohn starb 1904 im Alter von zwei Jahren im Kinderkrankenhaus Bremen.

Nach heutigen Aussagen der Familie, wanderte Julius Robert Mornhinweg in die USA aus. Anscheinend verdiente er ausreichend und beabsichtigte, seine Familie nachzuholen. Doch Louise Mornhinweg scheute die Überfahrt, so dass er nach Bremen zurückkam. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er eingezogen und fiel im Rang eines Gefreiten im August 1916 in Frankreich. Louise Mornhinweg belastete es schwer alleine die Kinder zu erziehen. Nachdem ihr Mann gefallen war, suchte sie zunehmend Zuflucht im Alkohol.

Louise Mornhinweg lebte nach Ende des Kriegs in Walle. Ab 1933 wechselte sie häufig ihre Wohnung, aus späteren Zeiten ist bekannt, dass sie für kurze Zeit obdachlos war. Ihre Tochter Robertine, inzwischen verheiratet mit einem Anti-Alkoholiker, wohnte im Halmerweg 130 und nahm Louise Mornhinweg 1934/35 für ca. vier Monate auf. Nach Aussage der Töchter soll sie noch bis 1939 mehr oder weniger einen eigenen Haushalt gehabt haben. Sie bezog eine Rente, die schnell für Alkohol ausgegeben wurde, so dass die Töchter finanziell die Mutter unterstützen mussten.

Louise Mornhinweg wurde zwischen 1937 und 1943 mehrmals wegen verschiedener Erkrankungen im Krankenhaus stationär aufgenommen. Die Töchter beobachteten einen Zustand vorübergehender Verwirrtheit nach jeder Erkrankung, beziehungsweise Krankenhausaufenthalt.

Ab 1939 wurde Louise Mornhinweg mit 58 Jahren in wechselnden Altersheimen untergebracht. Nachdem ihre letzte Unterkunft 1943 einen erheblichen Bombenschaden erlitt, das Haus geräumt wurde, war sie abwechselnd bei ihren verheirateten Töchtern untergebracht. Weil beide Töchter dienstverpflichtet waren, fehlte eine durchgehende Aufsicht für die Mutter, deren Verwirrtheit zunahm.

Am 28.2.1944 brachten die Töchter ihre Mutter in die Bremer Nervenklinik mit der Diagnose „Verwirrtheitszustände“. Am 11.3.1944 wurde sie in die Landes Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg verlegt, weil die Bremer Klinik durch erheblichen Bombenschaden nur noch über eine begrenzte Bettenanzahl verfügte.

Louise Mornhinweg war schwach und hinfällig. Die Diagnose lautete Psychose mit beginnender seniler Demenz. Sie starb am 19.11.1944 im Alter von 63 Jahren. Die meisten der verlegten Patienten starben infolge von Medikamentenüberdosierungen, durch Nahrungsentzug, pflegerische oder medizinische Vernachlässigung.

Kornelia Renemann (2026)

Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekartei, Personenstandsregister 4.60/5
Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover: Nds. 330 Lüneburg, Acc 2004/134 Nr. 02364

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Euthanasie" / Zwangssterilisation
Glossarbeitrag "Heilanstalten"