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Biografie im Erinnerungsportal, kein Stolperstein vorhanden

Elise Scheurenberg, geb. Löwenstein, *1862

Deportiert 1942 nach Theresienstadt, Ermordet



Bremen-Gröpelingen
ehemalige Straßenbezeichnung: Gröpelinger Deich 50

Elise Scheurenberg


Familienbiografie
Adolf Scheurenberg
Elise Scheurenberg, geb. Löwenstein

Adolf Scheurenberg wurde am 8.12.1863 in Frille/ Kreis Minden geboren, als Sohn von Joseph Scheurenberg und seiner Frau Johanne, geb. Schiff. Er hatte einen älteren Bruder mit Namen Carl.

Er lernte den Beruf des Schlachters und heiratete 1889 in Wietersheim/Frille Elise Löwenstein, die am 15.6.1862 in Uchte als Tochter von Josef Löwenstein und seiner Frau Rebecka, geb. Blog zur Welt gekommen war. Sie hatte einen drei Jahre älteren Bruder namens Julius.

Das Paar bekam vier Kinder: Die älteste Tochter Frieda (1990, verstorben im Alter von zwei Jahren), Sophie (1893), Ella (1895) und Gustav (1897). Die Familie lebte in Uchte, wo Adolf Scheurenberg ab 1889 einen zunächst gutgehenden Viehhandel mit Ferkeln, Schweinen und Kälbern betrieb. Zusätzlich gab es eine kleine Landwirtschaft für den Eigenbedarf. Ihr Haus in der Mühlenstraße 113 war großzügig mit sechs Zimmern, Diele und Küche ausgestattet.

Adolf Scheurenberg engagierte sich sowohl in der jüdischen Gemeinde als Vorsteher von 1901 bis 1909, sowie als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr Uchte. Die unverheirateten Kinder Sophie und Gustav lebten zunächst in Uchte bei den Eltern. Tochter Ella heiratete 1920 den nichtjüdischen Wilhelm Paradies und lebte mit diesem in Bremen.

Ab 1933 ging, bedingt durch die Boykotte und Verfolgungsmaßnahmen der Nationalsozialisten, der Umsatz zurück. Vor allem in kleinen Orten wirkten sich die Boykottmaßnahmen gegen die ansässigen Viehhändler umfassend aus. Adolf Scheurenberg hatte praktisch keine Einnahmen mehr, sodass die Familie von ihrem Vermögen leben musste.

1936 meldete er das Gewerbe ab. Im Mai 1938 verkaufte er seinen Besitz an die Gemeinde Uchte. Von dem Erlös kaufte er vom Bäckermeister Karl Krumme junior ein Haus in Bremen, am Gröpelinger Deich 50. In dem 79 qm großen Dreifamilienhaus wohnten zunächst das Ehepaar Scheurenberg mit dem Sohn Gustav, sowie der unverheiratete Bruder von Elise Scheurenberg. Ein Jahr später zog die Tochter Sophie zu den Eltern.

Ab 1939 mussten aus ihren Häusern und Wohnungen vertriebene Juden zwangsweise aufgenommen werden. Das Haus wurde zum „Judenhaus“, in dem zahlreiche Menschen in zunehmend beengten Bedingungen lebten.

Am 18.11 1941 wurde die Tochter Sophie in das Ghetto Minsk deportiert und dort ermordet. Der Sohn Gustav hatte am 21.9.1941 seinem Leben selbst ein Ende gesetzt.

Am 23.7.1942 wurden Adolf und Elise Scheurenberg in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Dort erlag er bereits am 14.8.1942 den unmenschlichen Bedingungen im überfüllten Ghetto. Seine Ehefrau Elise starb am 27.1.1943 im Ghetto.

Nach ihrer Deportation beschlagnahmte die Gestapo das Haus, im Oktober wurde es auf das Deutsche Reich übertragen.

Die Tochter Ella, verh. Paradies, wurde noch am 13.2.1945 in das Ghetto Theresienstadt deportiert; sie überlebte die Verfolgung.

Ein Stolperstein für Adolf und Elise Scheurenberg kann in Bremen nicht verlegt werden, da die Straße Gröpelinger Deich nicht mehr existiert.

Für Adolf, Elise, Sophie und Ella Scheurenberg wurden in Uchte Stolpersteine verlegt. Für Gustav und seine Frau Edith Scheurenberg gibt es seit 2023 in Bremen in der Keplerstraße 36 Stolpersteine.

Christa Rödel (2026)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen Einwohnermeldekartei, Akten 4.54-E10863, E10864, Ra-178
Obenaus u.a., Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen
www.obs-uchte.de/portal/seiten/stolpersteine-1029-8963.htm

Abbildungsnachweis: Privatbesitz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt
Sophie Scheurenberg
Gustav Scheurenberg