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Biografie im Erinnerungsportal, kein Stolperstein vorhanden

Diedrich Meyer, *1883

1942 Bremer Nervenklinik, 1942 "verlegt" Hadamar, ermordet 7.2.1943


Buntentorsteinweg
Bremen-Neustadt
ehemalige Straßenbezeichnung: Buntentorsteinweg 612a

Diedrich Meyer


Hinrich Diedrich Meyer, Sohn von Wiegmann Meyer und dessen Ehefrau Elisa geb. Wickbrand, wurde am 18.8.1883 in Barrien/Krs. Syke geboren. Er besuchte die dortige Volksschule. 1903 zog er nach Bremen. Eingezogen im Ersten Weltkrieg, wurde er 1915 schwer verwundet. Eine Kopfverletzung verursachte später Epilepsie. Zunächst konnte er noch als Geschäftsführer seinen Unterhalt verdienen, später erschwerten die häufig auftretenden Anfälle seine Arbeitsaufnahme. Selbst als Arbeiter fiel es ihm zunehmend schwerer aufgrund seiner Erkrankung eine Stelle zu finden und zu behalten.

Im Dezember 1921 heiratete er die Witwe Auguste Stöver (geb. Schulz), die ihm vier Monate später einen Sohn gebar, den sie Johann Dietrich nannten. Nach einem halben Jahr trennte sich das Paar.

Diedrich Meyer trank zunehmend Alkohol, der wiederum die Epilepsie verstärkte. Mitte der 1930er Jahre war er der Polizei als Trinker bekannt, zumal er unter Alkohol gewalttätig wurde. Von der Beratungsstelle gegen den Alkoholismus (Bremen, Buchtstraße 16) wurde ihm ein Vormund zu Seite gestellt.

Vermutlich nach einem handfesten Streit im betrunkenen Zustand mit seinem Vermieter, wurde er am 27.9.1937 in die Bremer Nervenheilanstalt eingeliefert. Während seines Klinikaufenthaltes besserte sich sein gesundheitlicher Zustand.

Am 17.5.1938 wurde er entlassen und in die Obhut seines Schwagers gegeben, der darum gebeten hatte. Diedrich Meyer blieb drei Monate in der familiären Umgebung, danach zog er zurück in seine Wohnung am Buntentorsteinweg. Bis 1942 nahm sein Alkoholkonsum erneut Ausmaße an, die letztendlich wieder zu einer Klinikeinweisung führten. Am 5.3.1942 wurde auf aufgrund einer Anordnung der Gesundheitspolizei in die Klinik eingewiesen. Die Diagnose lautete, wie auch schon die Jahre zuvor: „traumatische Epilepsie“.

Am 14.8.1942 wurden mehr als 120 männliche Patienten von Bremen nach Hadamar verlegt; darunter auch Diedrich Meyer. Sie wurden Opfer der dezentralen "Euthanasie“ zwischen 1942 und 1945. Die meisten der verlegten Patienten starben infolge von Medikamentenüberdosierungen, durch Nahrungsentzug, pflegerische oder medizinische Vernachlässigung.

Der 60-jährige Diedrich Meyer starb am 7.2.1943 nach einer Reihe schnell aufeinander folgenden Anfällen. Die offizielle Todesursache lautete: „traumatische Epilepsie“.

Mit Datum vom 9.2.1942 erhielt Diedrich Meyers Sohn einen Brief aus Hadamar, dass sein Vater zwei Tage zuvor gestorben sei. Weiter hieß es: „[…] die Beerdigung findet auf Anstaltsfriedhof statt […]“. Es gab tatsächlich auf dem Anstaltsgelände einen Friedhof, da das Krematorium demontiert worden war. Die Opfer wurden von 1942 bis 1945 in Massengräbern mit bis zu 20 Leichen bestattet.

Die Verlegung eines Stolpersteines ist nicht möglich, weil die frühere Bebauung und Straßenführung nicht mehr besteht.

Kornelia Renemann (2026)

Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekartei, Bestand 4.60/5
Archiv Klinikum Bremen-Ost, Krankenakte
Verlustlisten Erster Weltkrieg auf genealogy.net (Stand 2026)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Euthanasie" / Zwangssterilisation
Glossarbeitrag "Heilanstalten"