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Emma Wolfstein, geb. Platz, *1888

FLUCHT 1938 HOLLAND, INTERNIERT WESTERBORK, DEPORTIERT 1943, THERESIENSTADT, AUSCHWITZ
ERMORDET 21.10.1944


Lahnstraße 61-63
Bremen-Neustadt

Verlegedatum: 13.10.2020


Lahnstraße 61-63 - Weitere Stolpersteine:


Emma Wolfstein


Emma und Paul Wolfstein kamen 1918 nach Bremen. Seit 1932 wohnten sie im Haus Lahnstraße 61-63. Sie hatten zwei Töchter.

Paul Wolfstein arbeitete im Bremer Schlachthof als „Viehkommissär“ und war als Viehhändler bei der Firma Rehberg & Co in Bremen registriert. 1935 wurde ihm der Gewerbeschein entzogen; die Fa. Rehberg entließ ihn. Nun war es ihm nicht mehr möglich, in seinem erlernten Beruf zu arbeiten.

Nur mit großer Mühe konnte Wolfstein für den Lebensunterhalt seiner Familie sorgen. Im Dezember 1935 meldete er ein Gewerbe für Hausierhandel/Toilettenartikel an; im Februar 1936 dann ein Gewerbe für Bohnerwachshandel. Sogar als Straßenarbeiter verdingte er sich in Gröpelingen und Oslebshausen, „was ihn seelisch und körperlich ganz krank gemacht hat“, wie sich Tochter Irene erinnerte.

Am 9.11.1938 drang die SA in die Wohnung der Wolfsteins ein und zwang den Vater mit vorgehaltenen Pistolen dazu, Türen und Schränke zu öffnen. „Darauf hat diese Bande all unser Geschirr und Kristall kaputt geschlagen. Auch Leinen zerrissen und die Möbel schwer beschädigt und vernichtet“, gibt Tochter Irene später zu Protokoll. Am Tag nach der Reichspogromnacht wurde Paul Wolfstein, wie über 170 andere jüdische Bremer Männer, verhaftet und kam ins Zuchthaus Oslebshausen. Seine Frau und seine Tochter wurden in den Lloydhallen (Richard-Dunkel-Straße) festgehalten. Von Oslebshausen deportierte man Paul Wolfsheim dann mit vielen anderen männlichen Juden ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Nach zwei Wochen wurde er unter der Bedingung freigelassen, dass er in die Niederlande ausreise. Am 4.12.1938 emigrierte die Familie Wolfstein in die Niederlande.

Fast fünf Jahre lebten Emma, Paul und Irene Wolfstein in den Niederlanden. Wegen des Arbeitsverbots für Flüchtlinge waren sie die ganze Zeit auf die Versorgung durch ihre Verwandten angewiesen. Unter der deutschen Besatzung verschärfte sich ab Mai 1940 die Situation der Juden enorm. Am 25.11.1941 wurde den Wolfsteins die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen; sie waren nun staatenlos.

Bei einer Razzia am 30.9.1942 wurden die Wolfsteins erstmals verhaftet. 1943 wurden das Ehepaar und Tochter Irene in das Konzentrationslager Herzogenbusch (niederländisch: Kamp Vught) gebracht und mussten Zwangsarbeit leisten. Sechs Wochen später wurde das Ehepaar ins Durchgangslager Westerbork deportiert, von dort in das KZ Bergen-Belsen. Sie blieben dort gut vier Monate und wurden am 25.1.1943 in das Ghetto Theresienstadt transportiert. Paul und Emma Wolfstein blieben ein Dreivierteljahr in Theresienstadt, bis sie am 19.10.1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden. Beide starben am 21.10. 1944, offenbar direkt nach der Ankunft.

Tochter Irene war schon vorher nach Auschwitz deportiert worden, musste in diversen Nebenlagern Zwangsarbeit leisten und überlebte. Ihre Schwester Ruth war 1938 rechtzeitig in die USA emigriert.

Franz Dwertmann (2020)

Informationsquellen:
StA Bremen 4,54–E4829, 4,54–E4830, 4,54–E10245, 4,83–E10970, Einwohnermeldekartei
Brouwer, de, L.: De Joodse Gemeente Alphan aan de Rijn, 1792 – 1964, Haarlem 2002
ITS Digital Archive, Bad Arolsen
Landesarchiv Detmold: Juden und Dissidentenregister
Stadtarchiv Krefeld: Personenstandsakten
Stadtarchiv Warburg:Personenstandsregister
www.joodsmonument.de

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Westerbork