Biografie im Erinnerungsportal, kein Stolperstein vorhanden
Ernst Cosmann, *1920
Flucht Niederlande, Deportiert über Westerbork nach Auschwitz, ermordet 1944
Hohenlohestraße 22
Bremen-Schwachhausen
Ernst Cosmann

Ernst Cosmann wurde am 22.5.1920 als Sohn von Fritz Cosmann (geb. 1881) und Thekla geb. Isacson (1890) in Elberfeld geboren. Er hatte zwei jüngere Brüder, Werner (geb. 1922) und Heinz (geb. 1924). 1925 zog die junge Familie von Elberfeld nach Bielefeld. Ihr Vater Fritz war Rechtsanwalt in Elberfeld und Notar am Landgericht Bielefeld. Nach dem Entzug seiner Zulassung am 20.5.1933 war er als Sekretär der Jüdischen Gemeinde Bielefeld tätig und starb nach schwerer Erkrankung am 17.10.1937.
Ernst Cosmann war bis zum 16. Lebensjahr auf dem Ratsgymnasium in Bielefeld, brach dann die Schule ab und arbeitete ab 1.3.1936 auf dem Landwerk Halbe in Brandenburg, einer Hachschara-Ausbildungsstätte des jüdischen Pfadfinderbundes Makkabi-Hazair. Mit dem Novemberpogrom 1938 wurde das Landwerk von Nazihorden überfallen und total zerstört.
Von Juni 1938 bis Dezember 1938 war Ernst in Bremen, Hohenlohestrasse 22, gemeldet. Am 29.12.1938 floh er in die Niederlande und war ab dem 20.10.1939 in Rheden bei Arnheim in einem Haus der zionistischen „Deventer Vereinigung“ gemeldet. Er lernte dort Ilse Birnbaum, die seit 1939 in Amsterdam lebte, kennen. Aus dieser Verbindung sind in der Ilse Birnbaum Sammlung viele Briefe aus der Zeit zwischen 1940-1943 erhalten geblieben.
Ab Januar 1941 war Ernst im „Huize Voorburg“ in Elden bei Arnheim, der einzigen Hachschara-Einrichtung in den Niederlanden für 16-19Jährige, tätig. Er spezialisierte sich auf Gartenbau und Landwirtschaft und spielte eine wichtige soziale Rolle. Vom 10.5.1941-4.10.1942 war er dort Jugendleiter mit dem Rufnamen Erco. Er habe zu dieser Zeit das ersehnte Palästinazertifikat bekommen, da seine Brüder bereits in Palästina waren, es aber nicht wahrgenommen.
Im September 1942 verlobte er sich mit Ilse Birnbaum, die bis 1945 im Widerstand tätig war. Im Oktober 1942 wurden in den Niederlanden alle jüdischer Arbeitslager aufgelöst. Bei der Razzia im Huize Voorburg am 4.10.1942 wurden 36 von 40 der über 20-jährigen Pioniere, auch Ernst Cosmann, festgenommen und in das Durchgangslager Westerbork eingewiesen.
Am 14.9.1943 erfolgte die Deportation von Westerbork nach Auschwitz. Zwei Tage später die Ankunft und Selektion an der „Alten Rampe“ am Güterbahnhof von Auschwitz; eingewiesen in Auschwitz III zum Aufbau des IG-Farben Werkes Buna Monowitz. Auf einem LKW wurde er in die Quarantäneblöcke des „Arbeitslagers Buna“ gebracht.
Am 17.1.1944 starb Ernst Cosmann in Auschwitz-Monowitz III infolge totaler Erschöpfung.
Bruder Werner verließ mit 16 Jahren 1938 Bielefeld, um in das Hachschara-Lager Rüdnitz bei Bernau, nahe Berlin, zu gehen. Er konnte per Schiff im Sommer 1938 nach Palästina ausreisen. Bruder Heinz folgte Ernst in die Niederlande und wurde ab 1942 bis Kriegsende in Rotterdam versteckt. Dann folgte er seinem Bruder Werner nach Palästina. Mutter Thekla floh im August 1939 gleichfalls in die Niederlande und anschließend nach London. 1947 wanderte auch sie nach Palästina aus und zog zu ihren Söhnen.
Ein Theaterkurs der Schüler des Ratsgymnasiums in Bielefeld, in dem Ernst Cosmann Schüler gewesen war, begleitete 2023 die Verlegung von fünf Stolpersteinen für die gesamte Familie in der Karl-Einerstrasse 11. Durch die Einnahmen der Aufführung des Stücks „Sehen“, die das Schicksal von vier ehemaligen Schülern, von denen zwei Täter und zwei Opfer des NS-Regimes waren, wurde die Verlegung ermöglicht.
Wegen seines kurzen Aufenthalts in Bremen wird hier kein weiterer Stolperstein für ihn verlegt.
Petra Nothaft (2025)
Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekartei
www.spurenimvest.de/cosmann-ernst und birnbaum-ilse
www.wuppertaler-gedenkbuch.de
www.spurensuche-bielefeld.de
www.ratsgymnasium-bielefeld.de
www.recklinghausen.de/gedenkbuch
Abbildungsnachweis: Joodsmonument
Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Westerbork
Glossarbeitrag Auschwitz

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