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Julius Eichholz, *1867

„SCHUTZHAFT“ 1938 / GEFÄNGNIS DELMENHORST
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET / TOT 6.7.1940


Vogelweide 2
Bremen-Findorff

Verlegedatum: 18.11.2019


Vogelweide 2 - Weitere Stolpersteine:


Julius Eichholz

Julius Eichholz wurde 1867 in Neuenkirchen geboren. Er war Viehhändler von Beruf. Mathilde Eichholz wurde 1876 in Ganderkesee geboren. 1896 heirateten die beiden dort. Das Ehepaar wohnte in Delmen-horst, zuerst in der Cramerstraße, später in einem Haus in der Oldenburger Straße 17. Sie hatten vier Kin-der: Siegfried (geb. 1897), Hermann (geb. 1898), Fritz (geb. 1900) und Minna (geb. 1910).
Bevor die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, hatte Julius Eichholz seine Viehhandlung bereits an seinen Sohn Hermann übergeben. Nachdem dieser sein Gewerbe wegen der nationalsozialistischen Ein-schränkungen nicht mehr ausüben konnte, wanderte er im August 1938 nach Kolumbien aus. Das Ehepaar lebte nun allein in Delmenhorst von seinen Ersparnissen. In der Pogromnacht vom 9./10.11.1938 wurde Julius Eichholz verhaftet und in das Gerichtsgefängnis Delmenhorst eingeliefert. Im Gegensatz zu den ande-ren verhafteten jüdischen Männern in Delmenhorst, wurden er und sein Schwager Fritz Alexander aus Al-tersgründen nicht in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert.
Im Februar 1940 verfügte die Gestapo Wilhelmshaven, dass sämtliche Juden das Gebiet Ostfries-land/Oldenburg bis zum 1. April zu verlassen hätten. Das Ehepaar zog daraufhin am 2.4.1940 nach Bremen zur Tochter Minna ‒ die hierher geheiratet hatte ‒ in die Vogelweide 2. Hier starb am 6.7.1940 Julius Eich-holz, den die Ereignisse des Novemberpogroms traumatisiert hatten; er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Hastedt beigesetzt.
Mathilde Eichholz wurde am 23.7.1942 mit 163 weiteren jüdischen Bremer Bürgern in das Ghetto Theresi-enstadt deportiert. Dort erlag sie am 14.2.1943 den Entbehrungen.
Ihre Kinder Siegfried (1927 Auswanderung USA), Hermann (1938 Flucht Kolumbien) und Minna überlebten die Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung. Minna, verheiratet mit dem nichtjüdischen Edo Warmbold aus Delmenhorst, verließ Bremen kurz nach der Deportation ihrer Mutter mit ihren beiden Töchtern, um zunächst in Schlesien unterzutauchen. Sie schlossen sich später den Flüchtlingstrecks gen Westen an. Fritz, der in Hamburg in einer Maßschneiderei arbeitete, war 1937 zu fünf Jahren Zuchthaus wegen "Rassen-schande" verurteilt worden. Er wurde aus dem Zuchthaus heraus am 6.12.1941 in das Ghetto Riga depor-tiert. Dort verliert sich seine Lebensspur.

Peter Christoffersen (2019)