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Friedrich Clüver, *1904

VERHAFTET 1943, ARBEITSERZIEHUNGSLAGER FARGE, TOT 29.8.1943


Alter Postweg 267
Bremen-Hemelingen

Verlegedatum: 30.09.2021

Friedrich Clüver


Friedrich Wilhelm Hermann Clüver wurde am 21.11.04 in Bremen als Sohn von Friedrich (geb. 1877) und Henny Frommund geboren.

Am 26.3.1932 heiratete er in Bremen Erna Marie Elisabeth Glindemann (geb. 1903).
Das Ehepaar hatte zwei Söhne: Erwin (geb. 1932) und Helmut (geb. 1934). Seit Mai 1934 lebte das Ehepaar getrennt; die Ehe wurde 1937 geschieden.

Friedrich Clüver war Schlosser (Metallarbeiter) und seit 1926 unter der o.g. Anschrift gemeldet. Er war Mitglied der SPD und im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Am 8.11.1938 war er zum Wehrdienst eingezogen worden, vom 15. bis 28.3.1939 wurde er zur Begutachtung in die Bremer Nervenklinik eingewiesen. Die Diagnose lautete „angeborener (?) Schwachsinn“. Daraufhin wurde er „vom Militär“ entlassen.

Anschließend war er vom 19.3.1940 bis 17.5.1940 im Reichsbahn-Ausbesserungswerk in Bremen Sebaldsbrück dienstverpflichtet. Nach Aussagen seines Vaters im späteren Entschädigungsverfahren, waren abfällige Äußerungen über die Geisteshaltung der dortigen Arbeiter Anlass für seine fristlose Entlassung. Die Bahn begründete dagegen die fristlose Dienstentpflichtung damit, dass er für den Reichsbahndienst „ungeeignet“ sei. Er sollte danach als Wächter bei der Wach- und Schließgesellschaft arbeiten, das sagte ihm jedoch nicht zu und er bemühte sich um eine andere Arbeit. Das Amtsgericht Bremen verurteilte ihn am 14.10.1941 zu drei Wochen Gefängnis wegen Arbeitsvertragsbruchs und am 10.4.1942 wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 60 RM.

In einem ärztlichen Gutachten vom 24.4.1942, der Auftraggeber ist nicht bekannt, wurde festgehalten, er sei als „notarischer Drückeberger bekannt, arbeitsscheu und debil“. Er müsse scharf angefasst und zur Arbeit gezwungen werden. Angeblich in den Räumen des Arbeitsamtes soll er verhaftet und in das Arbeitserziehungslager Bremen-Farge eingewiesen worden sein. Nach sechs Wochen erhielten seine Eltern die Nachricht, ihr Sohn sei am 29.8.1943 gestorben. Sie setzten alles daran, die Leiche aus dem Lager herausgeben zu lassen. Nachdem das gelungen war, zog der Vater das Fazit, dass sein Sohn erschlagen worden sei, denn die Leiche weise Wunden an Kopf und Armen auf. Das im Zusammenhang mit der Betreuung der beiden Söhne eingeschaltete Wohlfahrtsamt nannte als Todesursache „Erschöpfung“.

Nach dem Krieg machte der als Vormund von Erwin und Helmut bestellte Vater Friedrich sen. Clüver Ansprüche für seine Enkel im Entschädigungsverfahren geltend. Wegen Bombenschadens an dem Haus Alter Postweg 267 lebten die Großeltern mit ihren Enkeln unter kärglichsten Bedingungen in einer Parzellen-Notwohnung. Ihnen wurden Einzelleistungen wie z.B. Bekleidungshilfe sowie Halbwaisenrente zugestanden.

In dem gesamten Entschädigungsverfahren spielte immer wieder die Frage eine Rolle, ob Friedrich Clüver aus politischen Gründen verurteilt und im Arbeitserziehungslager Bremen-umgekommen war. Die amtlichen Nachforschungen ergaben keinen Hinweis, und die Polizei- und Gerichtsakten waren inzwischen getilgt worden. Unter Bezug auf eine Anweisung des Senators für Arbeit vom 4.11.1964 wurde auf eine Rückforderung der gezahlten Leistungen verzichtet.

Barbara Ebeling (2021)

Informationsquellen:
StA Bremen, 4,54-E2153, Einwohnermeldekartei