Sie befinden sich hier | Kapitelüberschrift  Erinnerungsportal | Biografie
Schriftgroesse verkleinern Schriftgroesse normal Schriftgroesse vergrössern
Diese Seite ausdrucken

Biografie im Erinnerungsportal, kein Stolperstein vorhanden

Frieda Dosmar, *1881

Deportiert 1942 Ghetto Theresienstadt, ermordet


Gröpelinger Heerstraße 167
Bremen-Gröpelingen

Frieda Dosmar


Frieda Dosmar wurde am 16.8.1881 in Blesen (heute Bledzew) als Tochter von David Dosmar (geb. 1846) aus Wielichowo bei Grätz und Hulda Gerson (geb.1855), der Tochter eines Gastwirts in Blesen, geboren. Sie hatte vier Schwestern. Die Familie war seit 1877 in Blesen ansässig.

Nach dem Ersten Weltkrieg lebten in Blesen nur zwei jüdische Familien (Dosmar und Gurau) in eigenen Häusern. David Dosmar verkaufte 1910 sein Haus Nr.64 (später Klosterstraße 64) an den Metzger Ernst Münchberg; er behielt sich aber das Wohnrecht im 1. Stock bis zu seinem Tod vor.

Nach dem Tod der Eltern (Hulda starb 1919, David 1926) übernahmen die unverheirateten Töchter Frieda und Rosa (später verh. Steinberg) die Wohnung bis November 1938. Die Schwestern verließen nach der Reichspogromnacht 1938 und Belästigungen durch die Gestapo ihre Geburtsstadt Blesen und zogen nach Bremen, wo sich drei weitere Schwestern aufhielten.

Frieda zog am 10.12.1938 zunächst in Bremen in die Delbrückstraße 15 zu ihrer älteren Schwester Margarete (Grete) Gurau, geb. Dosmar (geb. 1878). Diese hatte 1899 in Blesen Louis Gurau geheiratet und war mit ihm nach Bremen umgesiedelt. Das Ehepaar betrieb ein Herrenmodegeschäft in der Obernstraße 38. Grete Gurau war auch im Verwaltungsrat des Jüdischen Altersheim tätig. Louis Gurau starb 1933; sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Bremen-Hastedt.

In der Delbrückstraße 15 lebte eine weitere Schwester: Judis Arndt, geb. Dosmar (geb. 1883). Diese hatte den Kaufmann Gerd Arndt geheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Ruth (geb. 1909) und Gustav. Grete Gurau und Familie Arndt gelang am 8.4.1939 die Flucht nach Guayaquil/Ecuador, eines der wenigen Länder, das seinerzeit noch Visa für jüdische Flüchtlinge ausstellte.

Am 8.4.1939 zog Frieda Dosmar für ca. einen Monat zur Schwester Rosa Steinberg, geb. Dosmar (geb. 1887), Auf den Rövekamp 3. Rosa gelang am 5.5.1939 gemeinsam mit ihrem Mann Paul Steinberg die Flucht nach Guayaquil/Ecuador. Sie überlebten, wie Schwester Grete Gurau, in Quito.

Möglicherweise durch Vermittlung ihrer Schwester Grete Gurau, die im Jüdischen Altersheim ehrenamtlich tätig gewesen war, bekam Frieda dort eine Bleibe. Ab dem 3.5.1939 lebte Frieda im Jüdischen Altersheim in der Gröpelinger Heerstraße 167.

Am 23.7.1942 wurde sie mit siebzig Bewohnerinnen und Bewohnern des Jüdischen Altersheims über Hannover in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 23.11.1943 erlag sie dort den unmenschlichen Bedingungen und Entbehrungen.

Den Opfern aus dem Jüdischen Altersheim wird seit 2014 auf einer Gedenkstele beim Gebäude gedacht. Es werden dort keine Stolpersteine verlegt.

Petra Nothaft (2026)

Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekartei, Akten RA-523, 4,54-E10697
Markreich, Max: Geschichte der Juden in Bremen und Umgebung, Bremen 2009
w.w.w. uni-potsdam.de/geschichte der jüdischen Gemeinde in Blesen

Christoffersen, Peter/Johr, Barbara (Hrsg.): Stolpersteine in Bremen in Walle, Findorff, Gröpelingen, hier: Nitsche-Gleim, Christine: Das Jüdische Altersheim in Bremen-Gröpelingen, Bremen 2019

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt