Biografie im Erinnerungsportal, kein Stolperstein vorhanden
Frieda Friedmann, geb. Rosenbaum, *1855
Deportiert 1942 Ghetto Theresienstadt, ermordet
Gröpelinger Heerstraße 167
Bremen-Gröpelingen
Frieda Friedmann
Frieda Friedmann geb. Rosenbaum wurde in Berkach (Kreis Meiningen) am 21.6.1855 als Tochter von David Rosenbaum und Selma Wormser geboren. Sie heiratete 1885 in Berkach den Kaufmann Meier Friedmann (geb. 1856). Das Ehepaar hatte fünf Kinder, die in Berkach geboren worden sind: Max (geb. 1887), Selma (geb. 1888), Gertrud (geb. 1890), Theodor (geb. 1892) und Helene (geb. 1896).
Die Familie zog 1901 von Berkach nach Römhild/Thüringen in die Heurichstraße 18. Frieda und Meier Friedmann eröffneten dort ein Geschäft für Eisenwaren und Haushaltsartikel. Es bildete sich in Römhild keine eigenständige jüdische Gemeinde. Familie Friedmann richtete in ihrem Haus einen kleinen Betsaal ein, in dem sich die Römhilder Juden zu hohen Feiertagen zum Gebet trafen. Meier Friedmann starb 1910 in Römhild.
Max Friedmann, der älteste Sohn, heiratete 1916 die gebürtige Römhilderin Anna Kahn und bekam mit ihr drei Kinder: Käthe (geb. 1917), Heinz (geb. 1919) und Gerd (geb. 1924). Er übernahm das Haushaltswarengeschäft der Eltern.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wuchsen Repressionen und Boykottmaßnahmen gegen die Familie. Das Leben der Friedmanns, die vorher im kleinstädtischen Leben sehr verwurzelt waren, änderte sich schlagartig. In der Novemberpogromnacht 1938 wurde Max Friedmann verhaftet und vorübergehend in das KZ Buchenwald gebracht. Nach seiner Entlassung musste er sich um den Zwangsverkauf seines Geschäftes und seines Hauses kümmern. Max siedelte mit seiner Frau in das Haus der Familie Kahn, das zum „Judenhaus“ erklärt worden war, um. Ihnen blieb eine Ausreise verwehrt.
Frieda lebte in Römhild bis zu ihrem Umzug am 20.7.1936 nach Bremen in die Brückenstraße 25. Am 19.10.1938 zog sie in das Jüdische Altersheim Bremen, Gröpelinger Heerstraße 167.
Am 23.7.1942 wurde Frieda Friedmann mit 87 Jahren mit 70 weiteren Bewohnern des Jüdischen Altersheims nach Theresienstadt deportiert. Sie erlag am 12.11.1942 den Entbehrungen; als angebliche Todesursache wurde Darmkatarrh angegeben.
Tochter Selma Levy, geb. Friedmann, erhielt die letzte Nachricht von ihrer Mutter, als sie 1939 auf dem Fluchtweg von Bremen nach London war. Selma lebte ab 1946 in Israel. Sohn Theodor und Tochter Helene waren nach New York ausgewandert.
Max Friedmann und seine Frau Anna wurden am 8.5.1942 ab Weimar-Leipzig in das Ghetto Belzyco deportiert. Die Todesumstände sind unbekannt. Die Söhne von Max konnten rechtzeitig nach Palästina fliehen und lebten in BatYam/Israel. Der Tochter Käthe Löwenstein gelang mit ihrem Mann die Flucht in die USA.
Vor ihrer Deportation hinterließen Max Friedmann und seine Frau Anna einen ergreifenden Abschiedsbrief, der ihre Kinder erst fünf Jahre nach dem Krieg erreichte. (siehe: Requiem eines fast Achtzigjährigen ,Autobiographischer Rückblick vom Sohn Heinz [Meir] Friedmann, Bat/Yam 1997). In Römhild ist auf Wunsch von Gerd Friedmann, dem jüngsten Sohn von Max Friedmann und Enkel von Frieda, am 9.11.2015 eine Erinnerungsstele für 29 jüdische Römhilderinnen und Römhilder errichtet worden. Der fast 90-jährige Gerd Friedmann konnte an der Gedenkveranstaltung nicht mehr teilnehmen, aber der Familienmitglieder Frieda, Max, Anna, Heinz, Gerd und Käthe wurde auf der Stele gedacht .
Den Opfern aus dem Jüdischen Altersheim wird seit 2014 auf einer Gedenkstele beim Gebäude gedacht. Es werden dort keine Stolpersteine verlegt.
Petra Nothaft (2026)
Informationsquellen:
StABremen Akte 4.54 E-10971, Einwohnermeldekartei
www.Biographisches-gedenkbuch-bk.de
www.badkissingen.de
www.Alemannia Judaica.de
www.juden-in-schleusingen.de
Friedmann, Meir Heinz: Römhild. Die verlorene Heimat in meiner zerrissenen Familie.
Ein historisch-autobiographischer Rückblick auf die Geschichte jüdischen Lebens in meiner „Vaterstadt“, in: Nothnagel,Hans (Hrsg.): Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt, Bd.2, Juden in den ehemaligen Residenzstädtchen Römhild, Hildburghausen und in deren Umfeld. Suhl 1998
Christoffersen, Peter/Johr, Barbara (Hrsg.): Stolpersteine in Bremen in Walle, Findorff, Gröpelingen, hier: Nitsche-Gleim, Christine: Das Jüdische Altersheim in Bremen-Gröpelingen, Bremen 2019
Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt

Erinnerungsportal | Biografie


