Biografie im Erinnerungsportal, kein Stolperstein vorhanden
Baruch Emanuel, *1865
Deportiert 1942 Ghetto Theresienstadt, ermordet
Gröpelinger Heerstraße 167
Bremen-Gröpelingen
Baruch Emanuel
Baruch Emanuel wurde am 12.5.1865 in Nentershausen bei Bebra als Sohn von Markus Emanuel (geb. 1823) und Hannchen geb. Müller (geb.1830) geboren. Er hatte zwei Geschwister. Er heiratete am 4.11.1891 Sara Stern (geb.1863) aus Reichensachsen in Eschwege. Sie hatten drei Kinder: Manfred (geb.1892) Frieda (geb.1894) und Johanna (geb.1901).
Auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen Lebensbedingungen zog der Kaufmann Baruch Emanuel um 1900 mit seiner Familie nach Bebra in ein stattliches Haus in der Hersfelderstrasse 7. Hier baute er einen Manufakturenwarenhandel auf.
In den 1920er-Jahren übernahm Sohn Manfred das florierende Geschäft und erweiterte es. Manfred heiratete Martha geb. Oppenheim (geb. 1893). Ihr Sohn Rolf wurde 1925 geboren.
Mutter Sara Emanuel starb 1933 und ist auf dem jüdischen Friedhof in Bebra begraben.
Zwei Tage vor der Reichspogromnacht am 7./8. 11.1938 wurde das Haus der Familie Emanuel schwer zerstört, das Vermögen beschlagnahmt.
Baruch Emanuel floh zu seiner Tochter Johanna, die seit 1923 in Norden (Ostfriesland) lebte und mit Samson Altgenug verheiratet war. Auch die Familie der Tochter war den Boykottmaßnahmen und damit verbundenen existentiellen Nöten ausgeliefert.
Das NS-Regime hatte 1940 u.a. angeordnet, dass alle in Ostfriesland lebenden Juden über 70 Jahre in Altersheime nach Emden oder Bremen kamen. Deshalb folgte Baruch Emanuel im Februar 1940 seiner Schwester Nanni Levy (geb. 1867) aus Jever, die seit dem 6.3.1939 im Jüdischen Altersheim in Bremen, Gröpelinger Heerstraße 167, lebte.
Am 23.7.1942 wurde er mit 70 anderen Bewohnern in das Ghetto Theresienstadt deportiert und überlebte die unmenschlichen Lebensbedingungen nur wenige Monate. Er starb im Alter von 77 Jahren am 14.11.1942. Seine Schwester Nanny Levy wurde im Vernichtungslager Treblinka ermordet.
Alle drei Kinder von Baruch Emanuel und seiner Frau Sara kamen im Holocaust ums Leben.
Sein Sohn Manfred konnte sich gemeinsam mit seiner Frau Martha und seinem 14-jährigen Sohn Rolf für kurze Zeit in einem Unterschlupf in einem Aachener Baugeschäft verstecken und fand dort eine Anstellung als Hilfsarbeiter. Am 15.6.1942 wurden Manfred und Rolf in das KZ Majdanek verschleppt und zwei Wochen später ermordet. Martha verlor im Transitlager Izbica ihr Leben.
Tochter Frieda, die mit ihrem Mann Siegfried (Salomon) Löwenstein zwei Töchter hatte und deren Lebensmittelpunkt Kassel war, wurde mit der Familie in das Ghetto Riga deportiert und fiel dort einer Massenmordaktion zum Opfer.
Die jüngste Tochter Johanne wurde gemeinsam mit ihrem Mann Samson Altgenug und ihren zwei Kinder am 18.11.1942 in das Ghetto Minsk deportiert. Auch sie fielen den Massenmordaktionen zum Opfer.
In Bebra wurden für Baruch Emanuel, seinen Sohn Manfred mit Frau Martha und Sohn Rolf Stolpersteine in der Hersfelder Straße 7 verlegt. In der Stadt Norden wird mit einem Stolperstein in der Sielstraße 1 an das Schicksal von Baruch Emanuel gedacht. In Bremen liegt ein Stolperstein für Johanna Altgenug geb. Emanuel in der Charlottenstraße 28.
Den Opfern aus dem Jüdischen Altersheim wird seit 2014 auf einer Gedenkstele beim Gebäude gedacht. Es werden dort keine Stolpersteine verlegt.
Petra Nothaft (2026)
Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekartei
www.Juedische-geschichte-bebra.de
www.genealogy.net
Ökumenischer Arbeitskreis Synagogenweg Norden e.V.
Christoffersen, Peter/Johr, Barbara (Hrsg.): Stolpersteine in Bremen in Walle, Findorff, Gröpelingen, hier: Nitsche-Gleim, Christine: Das Jüdische Altersheim in Bremen-Gröpelingen, Bremen 2019
Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt
Glossarbeitrag Judenvertreibung Ostfriesland / Oldenburg

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