Biografie im Erinnerungsportal, kein Stolperstein vorhanden
Eliser Stern, *1877
1941 deportiert Ghetto Minsk, Ermordet
Bremen-Mitte
ehemalige Straßenbezeichnung: Wiesenstraße 2
Eliser Stern
Elieser (Leo) Stern wurde am 25.5.1877 in Borgholz (Kreis Warburg) geboren. Das Dorf im heutigen Kreis Höxter hatte damals ungefähr 1.500 Einwohner, davon waren ca. 60 Juden. Die Eltern waren Michael Stern (geboren 1839 in Borgholz) und Julia, geborene Rosenbaum, Jahrgang 1842.
Am 1.7.1911 kam Stern nach Wilhelmshaven und heiratete dort am 6.8.1911 Anni Leffmann, die 1876 in Varel geboren war. Sie hatten eine Tochter namens Liselotte, geb. 1914. Elieser Stern nahm am Ersten Weltkrieg teil. Anni Stern starb am 29.11.1933.
Elieser Stern war von Beruf Kaufmann, übernahm das Modehaus/Damen-Konfektionsgeschäft Leffmann in Wilhelmshaven und meldete 1927 noch eine Vertretung für Textilwaren im Nachbarort Rüstringen an (heute Stadtteil von Wilhelmshaven); dort in der Wilhelmshavener Straße 41 hatte auch seine Frau ein Geschäft für Kaffee, Tee und Kakao. Stern sei ein „erstklassiger Vertreter“ gewesen, der über ein gutes Einkommen verfügte, hieß es in späteren Zeugenaussagen. Die Familie lebte gut bürgerlich („elegant und gediegen“) in einer wohlhabenden Gegend der Stadt und wohnte sehr großzügig („hochherrschaftlich“).
Im August 1932 wurden die Geschäfte abgemeldet. Hintergrund war, dass die Nationalsozialisten schon 1932 in Oldenburg, wozu Wilhelmshaven gehörte, an die Macht kamen. Stern wurde 1936 gezwungen, als Straßenbauer zu arbeiten.
Seine Tochter emigrierte im August 1938 nach England. Nach der Zerstörung der Synagoge im November 1938 wurde Stern von der Gestapo in Haft genommen, kam bis zum 22.11.1938 in das KZ Sachsenhausen.
Ab 1939 mussten alle Juden Wilhelmshaven verlassen. Am 1.3.1940 verließ auch Stern die Stadt, in der er fast 30 Jahre gelebt hatte, und ging nach Bremen, wo er in der Wiesenstraße 2 (bei Kornblum) unterkam.
Er heiratete am 9.10.1941 Kathinka, geb. Adler verw. Bachrach, geb. 19.2.1880 in Aschaffenburg. Sie zog 1940 über Kassel nach Bremen und wohnte in der Schillerstraße 14. Am 12.11.1941 zog sie wieder an ihren Geburtsort zurück. Zu dem Zeitpunkt hatte ihr Ehemann bereits die Nachricht für seine Deportation nach Minsk erhalten. Sie war vermutlich noch nicht bei der Gestapo in Bremen registriert und stand daher nicht mit auf der Deportationsliste.
Am 18.11.1941 wurde Elieser Stern in das Ghetto Minsk deportiert, wo er an den unmenschlichen Bedingungen zugrunde ging oder einer der Massenerschießungen, die ab Juli 1942 begannen, zum Opfer fiel.
Seine Frau Kathinka wurde am 23.4.1942 von Würzburg aus nach Kraśniczyn (Bezirk Lublin) deportiert. Ort und Zeitpunkt ihrer Ermordung sind unbekannt. In Aschaffenburg wurde für sie ein Stolperstein verlegt
Die Verlegung eines Stolpersteines für das Ehepaar in Bremen ist nicht möglich, weil die frühere Bebauung und Straßenführung nicht mehr besteht.
Franz Dwertmann (2025)
Informationsquellen:
StA Bremen 4,54-E10417, Einwohnermeldekartei
Arolsen Archives
www.wuerzburgwiki.de/wiki/Deportation_der_Juden
Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk

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