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Biografie im Erinnerungsportal, kein Stolperstein vorhanden

Pauline de Jonge, geb. Meyer, *1877

Deportiert 1942, Ghetto Theresienstadt, ermordet 27.8.1942


Gröpelinger Heerstraße 167
Bremen-Gröpelingen

Pauline de Jonge


Pauline Meyer wurde am 8.6.1877 in Alfhausen (Landkreis Osnabrück) geboren, Tochter von Jonas Meyer und seiner Ehefrau Ida (geb. David). Von ihren drei Geschwistern erreichte nur Rosa (geb. 1878) das Erwachsenenalter. Beide Schwestern heirateten in Weener in die Familie de Jonge ein. Rosa verband sich mit dem zweitältesten Sohn Samuel, einem Landwirt, Pauline mit dem drittgeborenen Wolff Abraham (geb. 1869). Die Heirat mit dem Viehhändler und Schlachter Wolff de Jonge war am 20.8.1902. Mit dem acht Jahre älteren Mann bekam sie vier Kinder, geboren zwischen 1903 und 1907 Jedoch nur die Töchter Elise (geb. 1904) und Erna (geb. 1907) überlebten.

Pauline führte gemeinsam mit ihrem Mann die damals hochmoderne Schlachterei in der Neuen Straße 18 in Weener. Wolff de Jonge war ein wichtiger Viehhändler, zudem ein "Mann von Welt", der regelmäßig in Berlin und Hamburg verkehrte. Von dort aus verschiffte er seine Waren in andere Länder. Ganze Waggonladungen von aufgekauftem Vieh gingen nach Polen und Amerika. Nach dem Tod seines Bruders 1927 führte er erfolgreich die Geschäfte mit seinem Neffen weiter.

Wolff de Jonge starb am 20.9.1933 auf tragische Weise. Er wurde vom Viehhändler Joel de Pinto mit zwei Schüssen im Eingang der Weener Synagoge erschossen. Pinto beging anschließend Selbstmord. Die eigentliche Ursache der Bluttat lag Jahre zurück, als Pinto sich bei einem Viehkauf übervorteilt sah. In seinem Bemühen Recht zu bekommen vermisste er die Unterstützung anderer Viehhändler, insbesondere die von Wolffs Bruder. Wolff de Jonge wurde 65 Jahre alt.

Zurück blieben die 56-jährige Pauline de Jonge und die gemeinsame Tochter Elise, die noch im Elternhaus lebte. Tochter Erna, die zu der Zeit mit ihrem Mann in Leer wohnte, zog ebenfalls ins Elternhaus. Vermutlich wollte sie die Mutter und Schwester bei der Fortführung der Geschäfte und später bei dessen Abwicklung zu unterstützen.

Bedingt durch die von den Nationalsozialisten ausgeübten Verfolgungsmaßnahmen in Weener, wechselten Pauline und Elise noch zwei Mal ihre Wohnungen, bis sie am 15.2.1940 nach Alfhausen (nahe Osnabrück) zu Verwandten flüchteten. Knapp ein Jahr später, am 3.2.1941, zogen sie nach Bremen in das Jüdische Altersheim in der Gröpelinger Heerstraße 167.

Das Altersheim war überbelegt, unter anderem, weil viele jüngere Juden emigrierten. Die älteren Familienmitglieder trauten sich den Schritt nicht mehr zu oder erhielten keine Visa und zogen deshalb in das jüdische Altersheim. Der Personalbestand des Heims war zu gering, um sich ausreichend um alle kümmern zu können. Da war Erna de Jonges Bereitschaft als Haushaltshilfe zu arbeiten willkommen. Im Januar 1942 zog Paulines Schwager, der jüngste Bruder ihres Mannes, ebenfalls ins Altersheim ein. Sein Zuzug erfolgte offenbar als Vorbereitung auf die bevorstehende Deportation, denn das überfüllte Altersheim diente zudem als Sammelstelle für die auswärtigen Transportteilnehmer.

Am 23.7.1942 ging der Transport VIII-1-673 in das Ghetto Theresienstadt. Insgesamt 70 Bewohner des Altersheims, darunter Pauline, Elise und Friedrich de Jonge wurden deportiert. Bei strömendem Regen im Morgengrauen, mit z.T. durchnässten Gepäck, wurden sie in fünf Waggons untergebracht. Nach ihrer Ankunft in Theresienstadt am darauffolgenden Vormittag mussten sie mit ihrem Gepäck von der Bahnstation Bohušovice zweieinhalb Kilometer zu Fuß ins Ghetto laufen. Nach den Strapazen des Transportes überlebten neun Altersheimbewohner schon den ersten Monat in Theresienstadt nicht.

Pauline de Jonge starb am 27.08.1942, ihr Schwager überlebte sie nur wenige Wochen. Paulines Tochter Elise wurde am 09.10.1944 weiter deportiert nach Auschwitz und dort am 09.10.1944 ermordet.
Tochter Erna verließ Weener im März 1936. Zunächst hielt sie sich bei Verwandten in Alfhausen auf. Von da aus flüchtete sie in die Niederlande und war im Widerstand tätig. Sie konvertierte zum katholischen Glauben und flüchtet später in die USA, wo sie 1950 verstarb.

Paulines Schwester Rosa wurde im September 1940 in der Landes-Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel ermordet, die eine „Euthanasie"-Tötungsanstalt war. Zwischen Februar und Oktober 1940 ermordete das Personal dort über 9.000 Anstaltspatientinnen und -patienten aus dem nord- und mitteldeutschen Raum mit Giftgas.

Wolffs Bruder Samuel und dessen Familie lebten seit 1941 in einem Judenhaus in Bremen Vegesack und wurden im Ghetto Minsk ermordet.

Den Opfern aus dem Jüdischen Altersheim wird seit 2014 auf einer Gedenkstele beim Gebäude gedacht. Es werden dort keine Stolpersteine verlegt.

Kornelia Renemann (2026)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen: Akte 4,54-E11066, Einwohnermeldekartei
Christoffersen, Peter/Johr, Barbara: Stolpersteine Bremen – Biografische Spurensuche, Band 5 Findorff-Gröpelingen, hier: Nitsche-Gleim, Christine „Das Jüdische Altersheim in Gröpelingen“, S. 26-41, Bremen 2019
Familiendatenbank Juden im Deutschen Reich (https://www.ortsfamilienbücher.de)
Stolpersteine Weener (http://www.stolpersteine-weener.de)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt
Friedrich de Jonge