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Johanna Abraham, geb. Abraham, *1903

deportiert 1941
ermordet in Minsk


St. Stephani-Kirche/neben dem Seitenportal
Bremen-Mitte


St. Stephani-Kirche/neben dem Seitenportal - Weitere Stolpersteine:


Johanna Abraham

geb. 5.5.1903 Frechen

Johanna Abraham kam 1927 nach Bremen. Ein Jahr später heiratete sie in erster Ehe den Arbeiter Wilhelm Heinrich Bücking (geb. 1907). Aus der Ehe gingen die Töchter Hannelore (geb. 1928) und Irmgard (geb. 1931) hervor. Da der Ehemann Heinrich Bücking evangelisch war, trat Johanne bei ihrer Eheschließung zum evangelischen Glauben über; ihre Töchter wurden jeweils kurz nach der Geburt getauft.

Von ihrem ersten Ehemann ließ sich Johanna 1932 scheiden. Obwohl schuldig geschieden - er war gegen Ehefrau und Kinder tätlich geworden - zahlte er keinen Unterhalt. Johanna verdiente den Lebensunterhalt für sich und ihre Töchter u. a. als Arbeiterin in der Jutespinnerei und als Verkäuferin. Zu den finanziellen Sorgen kam hinzu, dass die jüngere Tochter Irmgard leicht behindert war und Betreuung brauchte. Verständnis und Unterstützung fand Johanna in der Kirchengemeinde St. Stephani (Bremen-Mitte), zu der sie gehörte. In der Kirchengemeinde lernte sie auch ihren zweiten Ehemann Ernst Abraham kennen. Am 24.2.1940 schlossen sie die Ehe. Aus dieser Ehe ging die Tochter Rachel hervor (geb. 1941).
Der zweite Ehemann Ernst Abraham wurde als siebtes Kind von Semmi Abraham und seiner Frau Gietel, geb. Bachrach geboren. Die Eltern waren 1910 zum evangelischen Glauben übergetreten und gehörten der Kirchengemeinde St. Pauli an (Bremen-Neustadt). Alle sieben Kinder wurden getauft. Ernst machte eine Ausbildung zum Bäcker und lebte mit seinen Eltern in der Neustadt am Buntentorsteinweg 636. Der Vater Semmi starb 1937. Zu diesem Zeitpunkt war Ernst nicht mehr als Bäcker tätig, sondern arbeitete in der Kohlenhandlung Holsten.

Am 18.11.1941 wurden Ernst und Johanna Abraham mit ihrer nur wenige Monate alten Tochter Rachel von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Vor der Deportation fand am 2.11.1941 ein Abschiedsgottesdienst in der Kirchengemeinde St. Stephani statt. Im Rahmen dieses Gottesdienstes schloss Pastor Greiffenhagen die jüdischen Brüder und Schwestern, die aus ihrer Gemeinde zur Deportation nach Minsk vorgesehen waren, in das große Fürbittgebet ein. Die Kollekte wurde für sie bestimmt und es fand ein herzlicher Abschied vor dem Gemeindehaus statt. Eingehakt begleiteten einige Frauen die mit dem Judenstern Gekennzeichneten über den Kirchhof nach Hause. Daraufhin mussten am 5.11.1941 Mitglieder der Gemeinde zu Verhören bei der Gestapo erscheinen. Am 12.11.1941 wurden die Mitglieder der Kirchengemeinde St. Stephani, gegen die „wegen Sammlungen gegen abzuschiebende Juden“ ermittelt worden war, sogar kurzfristig in Haft genommen.

Die Töchter von Johanna Abraham aus erster Ehe blieben von der Deportation verschont und überlebten die Shoa. Die ältere Tochter Hannelore konnte mit der Familie ihres Onkels August Abraham in Bockel bei Rotenburg/Wümme untertauchen. Nach Kriegsende absolvierte sie eine Lehre zur Schneiderin, im Jahr 1951 heiratete sie. Die jüngere Tochter Irmgard kam bis Kriegsende in einer Pflegefamilie unter und fand schließlich in Bethel eine Heim- und Pflegestätte.


Verfasserin:
Dr. Barbara Johr (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E10692, 4,54-E648
Günther Rohdenburg (Hrsg.), "... sind Sie für den geschlossenen Arbeitseinsatz vorgesehen ...", Bremen 2009

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk
Glossarbeitrag Christen jüdischer Herkunft