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Ernst Moritz Abraham, *1911

deportiert 1941
ermordet in Minsk


St. Stephani-Kirche/neben dem Seitenportal
Bremen-Mitte


St. Stephani-Kirche/neben dem Seitenportal - Weitere Stolpersteine:


Ernst Moritz Abraham

geb. 19.1.1911 in Bremen

Ernst Abraham wurde als siebtes Kind von Semmi Abraham und seiner Frau Gietel, geb. Bachrach geboren. Die Eltern waren 1910 in der Pauli-Kirche in der Bremer Neustadt zum evangelischen Glauben übergetreten, und auch ihre Kinder wurden getauft.

Ernst Abraham lebte mit seinen Eltern am Buntentorsteinweg 636 und machte eine Ausbildung zum Bäcker. Sein Vater Semmi starb 1937. Zu diesem Zeitpunkt war Ernst schon nicht mehr als Bäcker tätig, sondern arbeitete in der Kohlenhandlung Holsten.

Am 24.2.1940 heiratete Ernst Abraham die geschiedene Johanna Bücking, geb. Abraham, geb. 5.5.1903 in Frechen/Köln, die 1927 in Bremen zugezogen war. Da ihr erster Mann Heinrich Bücking evangelisch war, ist Johanne bei ihrer ersten Eheschließung zum evangelischen Glauben übergetreten. Sie arbeitete zeitweilig als Arbeiterin in der Jutespinnerei und als Verkäuferin. Seit ihrem Umzug zu ihrem zweiten Ehemann in die Timmerstraße 7 gehörte auch sie der Stephani-Gemeinde an. Aus ihrer zweiten Ehe stammte die Tochter Rachel, die am 8.6.1941 geboren wurde.

Am 2.11.1941 schloss Pastor Greiffenhagen in der Stephani-Gemeinde die jüdischen Brüder und Schwestern, die aus ihrer Gemeinde zur Deportation nach Minsk vorgesehen waren, in das große Fürbittgebet mit ein. Die Kollekte wurde für sie bestimmt und es fand ein herzlicher Abschied vor dem Gemeindehaus statt. Eingehakt begleiteten einige Frauen die mit dem Judenstern Gekennzeichneten über den Kirchhof nach Hause. Daraufhin mussten am 5.11.1941 Mitglieder der Gemeinde zu Verhören bei der Gestapo erscheinen. Am 12.11.1941 wurden die Mitglieder der Stephani-Gemeinde, gegen die ermittelt worden war ("wegen Sammlungen für abzuschiebende Juden"), kurzfristig in Haft genommen.

Ernst Abraham wurde noch am 3.11.1941 von der Gestapo verhaftet, weil er, der nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 als Jude galt, an dem evangelischen Gottesdienst der Stephani-Gemeinde teilgenommen hatte. Erst am 11. oder 12. November wurde er wieder entlassen.

Am 18.11.1941 wurden Ernst, Johanna und Rachel Abraham von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Hannelore und Irmgard Bücking, die Kinder aus der ersten Ehe von Johanna Abraham, wurden von der Deportation zurückgestellt und überlebten den Holocaust: Hannelore in der Familie ihres Onkels August Abraham, die allesamt 1944 in Bockel bei Rotenburg/Wümme untertauchen konnten, Irmgard in einer Pflegefamilie. Nach 1945 fand Irmgard in Bethel Aufnahme, Hannelore machte eine Schneiderlehre und heiratete 1951.


Dr. Barbara Johr (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E10692, 4,54-E648
Günther Rohdenburg (Hrsg.), "... sind Sie für den geschlossenen Arbeitseinsatz vorgesehen ...", Bremen 2009

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk
Glossarbeitrag Christen jüdischer Herkunft