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Günther Alexander, *1922

Heimatort unfreiwillig verlassen, 1939 Hamburg, 1942 Bücken Deportiert 1942 Ghetto Warschau
???


Hannoversche Straße 69
Bremen-Hemelingen
ehemalige Straßenbezeichnung: Langenstraße 69

Verlegedatum: 07.06.2012


Hannoversche Straße 69 - Weitere Stolpersteine:


Günther Alexander

Günther Alexandergeb. 6.4.1922 in Bremen

Günther Alexander war der Sohn von Iwan Alexander (geb. 1893 in Hemelingen) und seiner Ehefrau Frieda geb. Magnus (geb. 1895 in Bücken). Sie wohnten in Hemelingen in der Langenstraße 69 (heute Hannoversche Straße). Ihr Vater war Viehhändler und Schlachter. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Günther (geb. 1922) und Inge Rose (geb. 1924).

Günther lebte bis zum 14.3.1939 bei seinen Eltern in Hemelingen, Langenstraße 69. Als er 17 Jahre alt war, ging er nach Hamburg. Der Grund ist nicht bekannt. Ob er dort eine landwirtschaftliche Ausbildung zur Vorbereitung der Auswanderung nach Palästina machen wollte? In Blankenese gab es ein Hachscharah-Ausbildungszentrum. Oder suchte er dort nach einer Lehrstelle oder nach einer Auswanderungsmöglichkeit?

Seine Bemühungen müssen erfolglos geblieben sein, 1942 kehrte er zurück und lebte wieder bei seinen Eltern, die inzwischen nach Bücken, in das Haus seiner Großeltern, verzogen waren.

Noch im gleichen Jahr, vor seinen Eltern, wurde er verhaftet und in das Sammellager Ahlem bei Hannover eingewiesen. Über seine Verhaftung berichteten Augenzeugen: "Sohn Günter war durch die Isolierung, Diffamierung und die Angst seelisch so fertig, dass er trotz seiner erst zwanzig Jahre wie ein alter Mensch zitterte. Er wurde hier in Bücken "abgeholt". Als ihm beim Abführen das Schnürband riss und er es mit seinen zittrigen Händen zusammenbinden wollte, schlugen seine Peiniger brutal auf ihn ein. Auch er kam nie zurück."

Aus Ahlem wurde er am 31.3.1942 in das Ghetto Warschau deportiert. Es war der Transport "D6" der von Gelsenkirchen über Hannover nach Warschau ging und 1016 Menschen deportierte. Aus dem Bezirk Hannover kamen 500 Juden hinzu. Der Zug, der um 18.15 Uhr eintreffen sollte, kam erst gegen Mitternacht an. Nach einem Augenzeugenbericht mussten die Menschen etwa sechs Stunden bei strömendem Regen draußen warten, bis sie dann in aller Eile in den Zug gedrängt wurden. Der überfüllte Zug kam vermutlich erst am 2.4. in Warschau an. Wenige Tage später wurden ungefähr 160 Männer aus dem Transport nach Treblinka verbracht, die vermutlich zur Fertigstellung des Vernichtungslagers eingesetzt worden sind. Ende Juli 1942 begann dort das Massenvernichtungsprogramm. Aus dem Warschauer Ghetto wurden bis Mitte September 1942 über 250.000 Juden nach Treblinka verschleppt und in den Gaskammern ermordet.

Mit dem Transport nach Warschau verliert sich die Spur von Günther Alexander.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Einwohnermeldekarte von Iwan Alexander
Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen / hrsg. von Herbert Obenaus. In Zsarb. mit David Bankier und Daniel Fraenkel, S. 374 (Bücken)
www.evlka.de/extern/syke/buecken/leben.html (Spuren jüdischen Lebens im Flecken Bücken Kirche-Bücken.de)
www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/
www.tenhumbergreinhard.de
H. Reyer, Die Deportation der Hildesheimer Juden in den Jahren 1942 und 1945, S. 159 f.(in: Hildesheimer Jahrbuch 2002)