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Hermann Altgenug, *1924

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Charlottenstr. 28
Bremen-Mitte


Charlottenstr. 28 - Weitere Stolpersteine:


Hermann Altgenug

geb. 15.11.1924 in Norden

Hermann Altgenug war der Sohn von Samson Altgenug (geb. 1890) und Johanna Emanuel (geb. 1901) Er hatte eine Schwester, Fränzel (geb. 29.03.1929 in Norden).

Sein Großvater, Hermann (Samson) Altgenug, war Viehhändler in Norden und betrieb eine Milchwirtschaft mit etwa 30 Kühen. Das Geschäft existierte bereits seit 1887 und umfasste Viehmast, Viehhandel und Kreditvergabe. Es wurde am 1.1.1932 von seinem Vater und dessen Bruder Joseph übernommen. Nach dem Niedergang des Geschäfts und dem Wegfall jeglicher Verdienstmöglichkeiten verließen seine Eltern Norden und zogen am 26.02.1940 mit ihrer Familie nach Bremen, in das „Judenhaus“ Charlottenstraße 28.

Hermann wurde erstmals am 19.12.1940 in Bremen registriert. Er kam aus Neuendorf/Fürstenwalde vermutlich zu einem Besuch seiner Eltern und blieb bis zum 3.1.1941, ging wieder zurück und blieb bis zum 11.11.1941 dort. Es spricht alles dafür, dass er dort im Landwerk Neuendorf lebte. Dies war seit 1937 eine anerkannte Hachscharastätte. Auf dem 150 Morgen großen Gut wurde Landwirtschaft, Gärtnerei und später auch Viehwirtschaft betrieben. Zusätzlich gab es eine Tischlerei, eine Schlosserei und eine Schuhmacherei. Es fanden landwirtschaftliche Fachkurse, Hebräisch-Kurse sowie Fortbildungskurse in jüdischer Geschichte zur Vorbereitung der Auswanderung nach Palästina statt. Die Ausbildungsstätte bestand zwar bis 1943, doch bereits ab 1942 wurden Schüler verhaftet und in die Vernichtungslager deportiert. Ihr letzter Leiter war Martin Gerson. Am 16. Juni 1943 wurde er zunächst nach Theresienstadt, von dort im Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert nach und seiner Ankunft ermordet.

Warum Hermann aus Neuendorf wegging, ist nicht bekannt. Da seinen Eltern Anfang November 1941 ihre Deportation nach Minsk angekündigt wurde, könnte es sein, dass die Familie zusammenbleiben wollte und ihren Sohn am 11.11.1941 zurückrief.

Samson Altgenug, seine Ehefrau Johanna und die beiden Kinder Hermann und Fränzel wurden am 18.11.1941 nach Minsk deportiert. Alle erlagen in Minsk den Entbehrungen oder wurden ermordet.


Verfasser:
Barbara Ebeling/Peter Christoffersen (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E11856/1, E10302, E11870
www.forge.fh-potsdam.de/~SWABD/n-dorf.htm (Hachscharastätte Neuendorf)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk
Glossarbeitrag "Judenhäuser"