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Joseph Altgenug, *1889

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Charlottenstr. 28
Bremen-Mitte


Charlottenstr. 28 - Weitere Stolpersteine:


Joseph Altgenug

geb. 6.1.1889 Norden

Joseph Altgenug war der Sohn von Hermann (Samson) Altgenug, geb. 1862 in Norden und Betti von der Wall, geb. 1857. Das Ehepaar hatte sechs Kinder: neben Joseph noch Samson (Siegmund) (geb. 1890), Moses (geb. 1891), Hanna (Hannchen) (geb. 1897), Jette (geb. 1898) und Jakob (geb. 1900). Alle Kinder waren in Norden geboren worden.

Der Vater Hermann (Samson) Altgenug war Viehhändler in Norden und betrieb eine Milchwirtschaft mit etwa 30 Kühen. Sein Geschäft, das bereits seit 1887 existierte, umfasste Viehmast, Viehhandel und Kreditvergabe. Es wurde am 1.1.1932 von Joseph und Samson (Siegmund) übernommen. Der Geschäftsgewinn verringerte sich beständig, und am 01.1.1938 wurde den Altgenugs vom Viehwirtschaftsverband Oldenburg die Handelserlaubnis entzogen.

Während des Novemberpogroms am 9./10.11.1938 wurde Joseph inhaftiert und war bis zum 6.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert. Während seiner Abwesenheit verkaufte die Kreisbauernschaft die Milchkühe an „arische“ Bauern, was zur Aufgabe der noch bis dahin von der Familie betriebenen Milchwirtschaft führte. In Norden gab es nun für die gesamte Familie Altgenug keinerlei Verdienstmöglichkeiten mehr.

Sein Vater Hermann Altgenug wurde am 17.2.1940 in das jüdische Altersheim in Emden eingewiesen, wo er am 13.4.1940 starb. Dessen Ehefrau war bereits am 26.2.1939 verstorben und auf dem jüdischen Friedhof in Norden bestattet worden. Die Söhne verließen Norden und zogen am 26.2.1940 mit ihren Familien nach Bremen, in das „Judenhaus“ Charlottenstraße 28.

Der Sohn Joseph Altgenug war mit Sophie Weinberg (geb. 14.2.1896 in Esens) verheiratet. Das Ehepaar hatte drei Kinder, Fritz (Geburtsdatum unbekannt, am 10.7.1936 verstorben), Hugo (geb. 15.3.1925) und Rolf (geb. 3.2.1930). Hugo nahm sich am 16.7.1940 das Leben, seine Leiche wurde in der Weser aufgefunden. Rolf wurde 1939 von der Familie Joh. Erikson in Schweden aufgenommen und überlebte.

Joseph Altgenug und seine Ehefrau Sophie wurden am 18.11.1941 nach Minsk deportiert. Das Schicksal der Deportation teilten sein Bruder Samson mit dessen Ehefrau Johanna und den Kindern Hermann und Fränzel, sowie sein Bruder Jakob. Alle erlagen in Minsk den Entbehrungen oder wurden ermordet.

Die Schwestern Hanna (Hannchen), verh. Gerson, und Jette, verh. Gerson, konnten mit ihren Familien nach Argentinien auswandern. Sie trafen am 3.5.1939 in Buenos Aires ein.

Der Bruder Moses war am 6.9.1916 in Ersten Weltkrieg gefallen.


Verfasser:
Barbara Ebeling/Peter Christoffersen (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E11856/1, E10302, E11870
www.stenenarchief.nl
Jewish Genealogy Argentina (www.hebrewsurnames.com)
http://www.alemannia-judaica.de/norden_friedhof.htm
www.norden.de (Bericht Gedenkfeier jüdisches Mahnmal)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk
Glossarbeitrag "Judenhäuser"

Biografie als PDF