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Jakob Altgenug, *1900

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Charlottenstr. 28
Bremen-Mitte


Charlottenstr. 28 - Weitere Stolpersteine:


Jakob Altgenug

geb. 29.6.1900 Norden

Jakob Altgenug war der Sohn von Hermann (Samson) Altgenug, geb. 1862 in Norden und Betti von der Wall, geb. 1857. Das Ehepaar hatte sechs Kinder: neben Jakob noch Joseph (geb. 1889) Samson (Siegmund) (geb. 1890), Moses (geb. 1891), Hanna (Hannchen) (geb. 1897), Jette (geb. 1898), Jakob (geb. 1900). Alle Kinder waren in Norden geboren worden.

Der Vater Hermann (Samson) Altgenug war Viehhändler in Norden und betrieb eine Milchwirtschaft mit etwa 30 Kühen. Sein Geschäft, das bereits seit 1887 existierte, umfasste Viehmast, Viehhandel und Kreditvergabe. Es wurde am 1.1.1932 von Joseph und Samson (Siegmund) übernommen. Der Geschäftsgewinn verringerte sich beständig, und am 1.1.1938 wurde den Altgenugs vom Viehwirtschaftsverband Oldenburg die Handelserlaubnis entzogen.

Während des Novemberpogroms am 9./10.11.1938 wurde Jakobs Bruder Joseph inhaftiert und war bis zum 6.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert. Während dessen Abwesenheit verkaufte die Kreisbauernschaft die Milchkühe an „arische“ Bauern, was zur Aufgabe der noch bis dahin von der Familie betriebenen Milchwirtschaft führte. In Norden gab es nun für die gesamte Familie Altgenug keinerlei Verdienstmöglichkeiten mehr.

Hermann Altgenug wurde am 17.2.1940 in das jüdische Altersheim in Emden eingewiesen, wo er am 13.4.1940 starb. Seine Ehefrau war bereits am 26.2.1939 verstorben und auf dem jüdischen Friedhof in Norden bestattet worden. Seine Söhne verließen Norden und zogen am 26.2.1940 mit ihren Familien nach Bremen, in das „Judenhaus“ Charlottenstraße 28.

Der Sohn Jakob besuchte in Norden die Volksschule ohne Abschlussprüfung. Er machte im Geschäft des Vaters eine Lehre und war dann für die Viehhandelsfirma des Vaters tätig. Er blieb ledig und wohnte beim Vater in Norden, Sielstraße 6. Nach seiner Verdrängung aus der Erwerbstätigkeit und der Auflösung der Hausgemeinschaft in Norden zog er zunächst nach Paderborn. Dort gab es seit 1939 ein Hachschara-Zentrum, das die Schüler auf die Auswanderung nach Palästina vorbereitete. Es könnte also sein, dass er versucht hatte, dort einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Vermutlich war ihm dies nicht gelungen, da er bereits ab dem 21.3.1940 in Bremen gemeldet war. Bis zum 3.4.1940 wohnte er bei seinen Eltern in der Charlottenstraße 28 und dann bis zu seiner Deportation in der Westerstraße 28. Er versuchte offensichtlich noch auszuwandern, da er 1.200 RM an ein Wiener Reisebüro zahlte. Der Grund für das Scheitern der Auswanderungspläne ist nicht bekannt.

Er wurde am 18.11.1941 nach Minsk deportiert. Das Schicksal der Deportation teilten sein Bruder Samson mit dessen Ehefrau Johanna und den Kindern Hermann und Fränzel, sowie sein Bruder Joseph mit Ehefrau Sophie. Alle erlagen in Minsk den Entbehrungen oder wurden ermordet.

Die Schwestern Hanna (Hannchen), verh. Gerson, und Jette, verh. Gerson, konnten mit ihren Familien nach Argentinien auswandern. Sie trafen am 3.5.1939 in Buenos Aires ein.

Der Bruder Moses war am 6.9.1916 in Ersten Weltkrieg gefallen.


Verfasser:
Barbara Ebeling/Peter Christoffersen (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E11856/1, E10302, E11870
www.stenenarchief.nl
Jewish Genealogy Argentina (www.hebrewsurnames.com)
http://www.alemannia-judaica.de/norden_friedhof.htm
www.norden.de (Bericht Gedenkfeier jüdisches Mahnmal)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk
Glossarbeitrag "Judenhäuser"

Biografie als PDF